Wo ist da was anders?

Beim Einläuten des Shut- und/oder Lockdown tönen die Propagandisten, dass nichts mehr so sein wird wie bisher. Stimmt. In der Nacht des Shut-Lock-Down herrschte Ruhe. Ja, ich bin geneigt zu sagen es herrschte Stille. Das war es dann aber schon. Die besonders Kühlen unserer Zeit nutzten die freien Pisten für ein Autorennen gegen sich selbst. Wenn der Puller klein ist, braucht Mann irgendetwas, womit er zeigen kann ein echter Pavian zu sein. Shutdown, Lockdown, was bedeutet das eigentlich. Egal, es wird nach einem Vierteljahr immer noch betont, dass dieser Virus neuartig ist.

Unser Umgang mit den Helden, über die heute keiner mehr redet: Das neuartige Corona – COVID-19 – Virus hat den Abstand des Menschen zum Mensch nur noch vergrössert. Das social distancing wurde zum social media distacing ausgeweitet. Bestand auch dort eine Ansteckungsgefahr? Klar, was Verdummung und latente Blödheit angeht schon. Aber auch COVID-19? Wo ich erwartet habe, das zusammengerückt und nachgedacht wird, kam es zu allerlei Kuriositäten. Corona und der Zwang zur Distanz hat das Zweckbündnis der Langeweile gegen die Einsamkeit salonfähig gemacht. Ohne den tagtäglichen Lärm und die permanente Ablenkung hat der Shutdown die Lästigkeit des selbstgewählten Lebenspartners und der eigenen Brut offenbart. Der Schrei nach Hilfe ist gross. Das ist einfacher statt im Moment der Ruhe und Befreiung von der Lärmverschmutzung zu überlegen, wie jeder für sich selbst sein Leben neu aufstellen kann. Die Gedanken der ersten Lockerungen drehten sich um den Frisör und die Urlaubsreise. Gibt es keine anderen Probleme? Die Natur kann sehr hart sein und ausgerechnet die Bestie unter den Lebewesen, der Mensch, mimt als Gutmensch getarnt die Weichflöte.

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Strategiewechsel

Sechs Monate sind rum, der nächste Check bei Gandalf steht an.

Nach meinem letzten Besuch im August des vorherigen Jahres wollte ich auf weitere Kontrolltermine verzichten. Ich fühle mich einfach nicht verstanden. Zum einen kann ich das, was ich als ‚Nachwirkung‘ der Chemotherapie beschreibe, nicht in klare Worte fassen. Wenn es mir dann doch irgendwie gelingt, bekomme ich zu hören, dass das nicht sein kann. Ich bin doch schon soooo lange raus. Diese Meinung greift bis in den engsten Kreis über. Die Äußerung sitzt. Bin ich etwa zur Pussy gereift?

Suche ich nach anderen Erfahrungen rund um das Leben nach Hodgkin und Beacopp eskaliert, wundern mich meine eigenen Erfahrungen kein bisschen. Denn selbst Studien und Ratgeber von Kliniken beschreiben Langzeitfolgen noch nach Jahren als existent. Die Krönung ist die fifty fifty-Chance von Fatigue, Schlafstörungen, Nervenstörungen & Co. heimgesucht zu werden. Was soll also das kategorische Ablehnen meiner Eindrücke und Wahrnehmungen?

Im August 2019 bekam ich einen Überweisungsschein für den Neurologen. Taubheit, Schmerzempfinden, Empfindungsstörungen geben Anlass dazu. Ist es vielleicht sogar Zucker? Ich soll meinen Hausarzt mit einbinden. Dummerweise bin ich dem Typen im Weißkittel völlig egal. Nach seiner Meinung wird das Hodgkin Lymphom immer operativ behandelt. Als er das sagte, hielt ich dagegen und meinte, dass die anerkannte Therapie die Chemotherapie und/oder Bestrahlung sei und lediglich zur Biopsie operiert wird. Es gibt nur eine Ausnahme von der Regel. Er warf mir einen bösen Blick zu und seitdem sind wir beste Feinde. Dummerweise ist Marzahn mit freien Hausärzten dünn gesät, was einen Hausarztwechsel unmöglich macht. Und bitte keine Tipps, dass es hier und da noch aufnahmewillige Hausärzte gibt. Ich mache keine halbe Weltreise für ein Quartalsrezept und vielleicht einen Krankenschein bei hammerharten Männerschnupfen.

Mit ‚Beziehung‘ gelingt es einen Neurologen-Termin Ende Februar in Berlin-Buch zu bekommen. Anfang diesen Jahres sind die Symptome soweit zurückgegangen, dass ich den Termin nicht wahrnehmen werde. Es gibt sicherlich andere, die einen freien Termin dringender brauchen als ich. Außerdem habe ich mich für einen Strategiewechsel entschieden. ‚Ich will doch nur, dass es dir gut geht‘ waren im August Gandalfs Worte. Wenn das seinem Wunsch entspricht, dann wird es mir heute bei seiner Befragung gut gehen. Damit bin ich zwar meine Probleme nicht los, aber ich habe meine Ruhe, ich rege mich nicht über sein ‚es müsste anders sein‘ auf.

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