Meine Bilder des Jahres 2020

Schenke ich dem Bilder-Browser Glauben, dann hat sich 2020 mein Archiv um 1000 Arbeiten vergrößert. Unterwerfe ich mich dem knallharten Wettbewerbsgedanken, dann suche ich hier und heute mein Lichtbild des Jahres 2020, das Fundstück des Jahres 2020 und das Gekleckse des Jahres 2020.

Lichtbild des Jahres 2020
Sicherlich kann Sie mir genau sagen, wann diese Aufnahme entstand plus ein paar Details mehr. Ich weiss für mich, dass ich an der Feinjustage der Pose sass und Sie sich einen Spaß daraus macht, meine „Anweisung“ etwas zu übertreiben. Das Spiel wiederholte sich im Laufe dieses Shootings. In einem Moment, als Sie mit ihren Augen und einem frechen Blick in meine Richtung blickt, entstand der Schnellschuss. Rebellisch Ding das, aber eine in meinen Augen sehr authentische Aufnahme. Deshalb habe ich ihr einen Upcycling-Bilderrahmen von Frameworks Berlin spendiert. Jetzt steht das Bild in meinem Büro und ich darf mich jedesmal daran erfreuen. Status: Solange ich mich an diesen einzigartigen Moment positiv erinnern kann, ist es unverkäuflich.

Neckerei

Neckerei
Nr. 2807
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier, gerahmt
(c) 2020 Ronald Puhle

Fundstück des Jahres 2020
Sie zeigt Interesse an meinen Fundstücken und ich fühle mich motiviert, das Thema aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Meinen Fokus lege ich auf Filmmaterial, dass ich in meinem Belichter vergrößern kann. Dabei fällt mir diese Aufnahme eines unbekannten Fotografen in die Hände. Ich bin von der Imperfektion und dennoch großen Wirkung beeindruckt, ja fast neidisch. Deshalb bekommt auch dieser einen Bilderrahmen aus der Rahmen-Manufaktur Frameworks Berlin. Status: Unverkäuflich.

Schattenmensch

Schattenmensch
Nr. f_0247
Fotopapier: Vephota, 13 x 18 cm, Lithprint
(c) 2020 Ronald Puhle a.k.a. Lichtbildpoet
Informationen zur Urheberschaft und dem Projekt ‚Lichtbildpoet

Gekleckse des Jahres 2020
Hier wird es schwierig. Teils sind 2020 viele Arbeiten in sehr emotionalen Phasen entstanden, auf der anderen Seite war gelegentlich die Farbe noch gar nicht richtig trocken und ich bin bereits das Bild los. Nach langem Überlegen habe ich mich für die Arbeit Dreizehn entschieden. Es ist eigentlich eine Collage aus „Resten“ der Arbeit No. 2894 und dem Abzug einer weiblichen Scham, der den Tick zu lange im Lithentwickler lag. Die Arbeit verbindet quasi zwei Modelle in einem einzigen Bild, was es so wohl nie geben wird. Status: Es hängt in meinem Schlafzimmer und ich muss immer innerlich grinsen, wenn ich an den Gedanken beide Modelle in einem Bild denke.

Dreizehn

Dreizehn
Nr. 2940
Unikat: Collage und abstrakte Malerei, A3, gerahmt
(c) 2020 Ronald Puhle

Die Geschichte vom Zweibaum

Es war einmal zu Zeiten der „Villa Schaf“, da ergab es sich, dass ich aus meinem Betonpalast ins grüne Umland Nordend’s fahren musste. Der Weg im öffentlichen Nahverkehr führt mich über Hohenschönhausen. Das ist jene Gegend, wo ich meine Zeit als junger Vater und Familienmensch verbrachte. Am Ende der Periode zählte die Sippschaft sechs Fressfeinde. Deshalb verschlägt es die Bande in über 110 Quadratmeter Beton im landadligen Marzahnium.

Heute verbinde ich mit Hohenschönhausen nur noch den Wohnort der Frau, die mich geboren hat und mit ihr. Sie, jung und ins eigene Chaos verliebt. Chaos kann ich nicht, ist mir zu unstrukturiert, obwohl ich ja den Zufall als gestalterisches Element mag. So war es dann ganz gut, dass sich die Wege schnell wieder trennen und alles noch viel schneller vergessen war.

Bestimmt habe ich mich in meinem weltberühmten und mehrfach prämierten Blog über den Zweibaum ausgelassen. Bäume, vor allem abgestorben und solitär dastehend, haben es mir angetan. Anfänglich dachte ich, dass mein Zweibaum ein Einbaum ist. Jung an Jahren und dennoch hat er sich nicht zur ganzen Pracht entfalten können. Mitte 2016. Halbzeit in der Chemotherapie, eine Gürtelrose überstanden und ein paar Tage mehr Ruhe, weil Gandalf und sein Team Praxisurlaub macht. Ich bin mutig und in Begleitung einer lieben Freundin geht es zum vermuteten Einbaum. Es zeigt sich: Der Einbaum ist ein abgestorbener Strauch gigantischen Ausmaßes und wenn ich ihn weiterhin als Baum betrachte, dann wohl ein Baum mit zwei Stämmen, also Zweibaum.

Enttäuschung?
Enttäuschung!

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NurStein

„Es ist doch nur ein Stein. Ein alter Ziegelstein, der entsorgt werden soll …“

Mich machen solche Aussagen nachdenklich. Beinahe beleidigt beziehe ich das Gesagte auf mich. Eben „nur“ und „alt“. Menschen entsorgen ist zur Zeit noch nicht politisch so korrekt. Kommt aber noch. Den ein möglicher Zwang zur Organspende und die Pflicht einen ID-Chip in sich tragen zu müssen, es ist nur eine Frage der Zeit bis die verbleibende Lebenszeit endgültig ein ausgeprägtes Lebensqualitätsmerkmal wird: Je älter du bist und deine Bereitschaft zur Notschlachtung verweigerst, umso mehr Niveaulimbo spielt man mit deiner Lebensqualität.

Steine.

Neben Bäumen offensichtlich ein Sujet, was mich verfolgt. Da sind die BetrachtSteine, Reste der „Villa Schaf“, die mittlerweile und Gott sei Dank Geschichte ist. Noch immer bin ich von „Erde, Himmel, Licht“ angetan. Was stecken in dem Objekt alles für Gedanken, Überlegungen, Experimente, Arbeit und Zeit drin. Mittlerweile hat die Arbeit einen anderen Besitzer gefunden, der mir, wenn sie an der vorgesehenen Stelle angebracht ist, ein Foto schicken wollte. Der Leser kann sich denken, worauf ich heute immer noch warte.

Ich bekomme eine Einladung, mich in den Resten eines Abrisses umzusehen. Neues Material für gelegentliche Basteleien. Heute schimpft sich das Upcyceln. Upcycling ist so etwas wie Eklektizismus, nur eben neudeutsch modern formuliert. Eklektisch? Wie unkreativ! Warum eigentlich? Der halbwegs mitdenkende Bildungsbürger stelle sich mal vor, die Natur hätte ihren Datenschutz, das Copyright und Betriebsgeheimnis. Wir Menschen wären ganz schön in den Arsch Hintern gefickt. „Gern bin ich Ideengeber, ungern eine Pausvorlage“ sagt der Evolutionsleugner.

In einem Haufen aus Schutt und Stein lächelt mich dieser eine Stein an. Er ist kein ganzer Ziegelstein mehr und seine Form ist etwas gebogen. Nicht jede Seite ist gerade und glatt. Die Oberfläche des Ziegelstein ist rissig und es ist eben nicht der Mörtel vom Mauern. Ich erinnere mich, dass ich solche Steine schon einmal gesehen habe. So sieht ein Ziegelstein aus, wenn er beim Brennen zu viel Hitze abbekommen hat. Später, wenn er gebrannt ist und dann Feuer sieht, zerbröselt er nur. Die Spuren sind jedoch beim Brennen in der Ziegelei entstanden.

Ich finde einen zweiten Stein. Er ist ganz, leicht gebogen, seine Oberfläche zeigt nur die Risse. Meine Gastgeber können für den Moment nicht meine Euphorie über den Fund teilen. Sie hatten sich bestimmt erhofft, dass ich ihre Steine schubkarrenweise vom Hof trage. Angesichts meiner begrenzten Lagermöglichkeiten im Atelier handeln wir einen bemerkenswerten Deal aus: Ich nehme meinen Erstfund mit und erhalte wenige Wochen später zu meinem Geburtstag den ganze Ziegelstein als Geschenk. So sei es verkündet und später auch geschehen. Nie zuvor bekam ich einen Ziegelstein geschenkt, erst recht nicht zum Geburtstag.

Beide Steine liegen einige Zeit im Atelier. Irgendwann greife ich den ersten der beiden und lege ihn über Nacht in eine Wachsoda-Lösung. Nach reichlichem Spülen und trocknen, überziehe ich die Oberfläche mit einer Schicht transparenten Epoxidharz. Damit glänzt er nicht nur, auch die zarten Farben treten nach dem Aushärten deutlich satter hervor.

Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken gehabt, die Oberfläche des Steins zu beklecksen. Doch ich nahm recht schnell wieder Abstand davon. Dieser Dreiviertel Teil eines Ziegelsteins, eigentlich Ausschuss, in manchen Augen wertlos und absolut nicht zu gebrauchen, fand dennoch eine Bestimmung in dem abgerissenen Bau. Jetzt, so kurz vor seiner Entsorgung, finde ich ihn und gebe ihm noch einen weiteren Sinn. Im Stil des Wabisabi ist es für mich ein Kunstobjekt so wie er jetzt ist: Absolut einzigartig!

Ich gebe dem Objekt den Namen „NurStein“: Es ist nur ein Stein. Der entsorgt gehört.

Jetzt steht er einfach in meinem Büro und wenn mir danach ist, dann kann ich ihn betrachten und berühren. Er lässt sich drehen, die Oberflächen kann ich ertasten und spüren, immer wieder Neues an ihm entdecken. Es wäre schön, wenn wir Menschen diese Art des Umgangs gegenseitig pflegen würden, statt uns täglich in den Kampf um die Besitzstandswahrung und nächsthöhere Komfortstufe zu begeben. Da verlange ich jetzt aber ein bisschen zu viel. Es ist doch eben nur ein Stein, um den es sich nicht lohnt eine derart sentimentale Gefühlsduselei zu betreiben.

345_2019

NegaPos - Badetag

NegaPos – Badetag
Nr. 2386
Unikat: 13 x 18 cm ORWO Fotopapier, gerahmt
(c) 2019 Ronald Puhle

‚Ja, aber …‘
‚Aber …‘
‚Ich würde ja, kann aber nicht …‘
‚Ich traue mich nicht …‘
‚Mir geht es nicht so gut …‘
‚Keiner mag mich …‘
‚Aber die Anderen …‘

Ich habe kein Interesse mehr mich mit Menschen zu unterhalten.
Entweder ist das Gespräch belanglos,
handelt von den Großtaten eines Wortakrobaten oder
ist eine Anhäufung der oben gelisteten Ausreden.

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Erinnerungstück an Glück

Erinnerungsstück an Glück
Nr. 1241
Unikat: gerahmte Collage
(c) 2018 Lichtbildprophet

Ein Modell über sich selbst: ‚Ich bin gerne über 40! Denn mit 40 ist man noch lange nicht alt, sondern knackig und knusprig‘. Ich sehe das Photoshop-Tuning eines selbstverliebten reifen Etwas mit stark ausgeprägtem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom.