Positivabzüge mit Brenzcatechin und Pyrogallol

Zurück zu den Anfängen der Fotografie: Vor Hydrochinon war Pyrogallol Fotograf’s Liebling. In der antiquarischen Literatur lese ich überwiegend vom Einsatz bei der Negativentwicklung, ich gehe aber davon aus, dass man Pyrogallol auch für Silbergelatine-Positive verwendet hat. Es kommt dem – damaligen – Trend der Farbigkeit von Abzügen zugute. Pyrogallol ein ein paar unangenehme Eigenschaften, dazu zählt seine Giftigkeit.

Der sensible Fotograf und Umweltschoner hat damit natürlich ein Problem, setzt sich in seinen Diesel und vergast die Umwelt lieber mit Feinstaub. Deshalb rückte irgendwann Brenzcatechin in den Vordergrund (heute in Moersch Tanol enthalten), wer seine Negative ‚beizen‘ möchte.

Genau auf dieses Beizen der Gelatine habe ich es am Anfang abgesehen. Die Versuche mit Tanol zeigten jedoch, dass sich über das Wechselspiel Belichtung – Entwicklung Farbigkeit erzeugen lässt, OHNE dass die Emulsion des Papiers seine Trägerfarbe verliert. Meine Gedanken und bisherigen Ergebnisse zu dem Thema lassen sich hier nachlesen.

Da mit Fomatone als Fotopapier alles noch nach Wochen reproduzierbar, lege ich einen nach und experimentiere mit Bergger P.M.K.. Er wird als Universalentwickler und in Deutschland angerührt angepriesen. Bei der Wahl des Begriffs Universal hatte man sicherlich nicht die Verwendung als Negativ- und Positiventwickler ins Auge gefasst. Oder doch? In den offiziellen Papieren ist nur vom Negativ die Rede.

Im direkten Vergleich und auf Grundlage meines DIY Enlarger * stelle ich fest, dass das Pyrogallol im Bergger P.M.K. Fomatone ins Grünliche verschiebt. Der Trick mit dem Überbelichten beim Brenzcatechin ist nicht notwendig. Im Vergleich erzeugt Brenzcatechin eine eher bräunliche Farbigkeit. Mein Ansatz des Bergger PMK für die Papierentwicklung: 5 ml Teil A und 10 ml Teil B bei 250 ml Wasser. Ich konnte mit der Arbeitslösung zwei Stunden hintereinander weg arbeiten (ca. zehn 13 x 18 cm-Abzüge).

* Bei meinem DIY Enlarger kommen keine Filter zur Steuerung der Gradation zum Einsatz. Lichtquelle ist ein LED-Baustrahler.

Autor: Der Herr Makkerrony

Der "Herr Makkerrony", das ist Ronald Puhle aus Berlin und der Macher des weltbekannten und einzigartigen Magazins "Der Lichtbildprophet". Heute führt der ehemalige Laboringenieur das hektische Leben eines Rentners, das er persönlich sein "Phase3" nennt. Seit einem Vierteljahrhundert praktiziert der Herr Makkerrony die Fotografie und war ca. 15 Jahre als freier Autor für verschiedene Fotofachzeitschriften (z.B. fotoMagazin, Dipitalphoto, FotoPraxis und PhotoKlassik) tätig. Seine Arbeiten bestechen durch die bodenständige Aufnahmetechnik (LoFi - Fotografie), den kreativen Einsatz überlagerter Fotomaterialien, insbesondere ORWO-Fotopapiere und ORWO-Dokumentenpapiere und der Anwendung des Lith Print-Verfahren. Nebenbei lenkt sich Makkerrony mit freier, abstrakter Malerei ab, liest gerne und ist ein begeisterter Hörer analoger Musik von der Schallplatte. In seinem Atelier Flackerlight ist jedes Modell willkommen, das sich von ihm auf besondere Weise fotografieren lassen möchte.