Eingetragene Fahrgemeinschaft

Preussisch korrekt verlasse ich jeden Werktag zur selben Zeit mein Domizil. Der Grund ist nicht Perfektionsdrang, sondern Bequemlichkeit. Ohne diese Präzision müsste ich im Worst Case-Szenario 20 Minuten auf die nächste Tram warten.

Ich lebe nicht allein mit dem Problem. Anderen öffentlich Reisenden geht es genauso. Ohne uns zu kennen, kreuzen sich unsere Wege immer an derselben Stelle, zur gleichen Zeit. Wir bilden eine Fahrgemeinschaft und das mit nahezu konstanter Boshaftigkeit.

Same procedure than every working day!

Wie in jeder guten Lebensgemeinschaft bilden sich Gewohnheiten aus. Marotten von spleenig bis “man nimmt sie des geliebten Friedenswillen” hin. Dazu gehört der Stammsitzplatz. Das hat gewisse Vorteile. Ich könnte plötzlich erblindet die Tram besteigen. Gleich links sitzt die Mitfünfzigerin, die fünf Stationen später aussteigt. Wenn sie ihren Einzel-Stammplatz verlässt, wechselt Madame von der Vierer-Sitzgruppe dorthin und verlässt einen Haltepunkt vor meinem Ziel die Straßenbahn. Und so könnte ich unter allen Mitgliedern meiner anonymen Fahrgemeinschaft vorhersagen, was wann und wie geschieht.

Ausnahmen bestätigen die Regel!

Der Gemeinschaftsfrieden wird nur von Spontan-Mitfahrern gestört. Sie sind unhöflich und rücksichtslos. In meiner Kinderstube habe ich gelernt, mich als Neuling vorzustellen und jedem die Hand zu geben. So habe ich es jedenfalls damals gehalten, als ich zum ersten Mal die neue Strecke gefahren bin.

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001_2020

Rosamunde - Biest

Rosamunde – Biest
Nr. 2200
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2019 Makkerrony

Ein von mir ‚gekleckstes‘ Bild ist eine Kindheitserinnerung an den Atelierboden des Kino Toni-Plakatmalers.
Die Erinnerung an diesen Boden ist meine Interpretation einer Abstraktion des Zufalls.

359_2019

Die Joggerin

Die Joggerin (aus dem Zyklus ‚Menschen in der Großstadt‘)
Nr. 2252
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Baryt-Fotopapier
(c) 2019 Makkerrony

Für eine Realität fehlt es dem Homo digitalis einfach an Fantasie.

… dann wische ich noch einmal schnell durch

Das Jahr geht dem Ende zu.
Man hört es.
OK, der Satz ist verallgemeinert. Verallgemeinern ist Megaangesagt, entbindet es eine eigene Sichtweise und Meinung zu haben.
Ich höre es!
Laut Qualitätsmedien hat die Mehrheit etwas gegen Böllern und spricht sich deshalb für ein Verbot aus. Mich freut es, dass nach dem Meinungsforschungsinstitut YouGov 57% der hiesigen Bürger dieser Meinung sind. Etwas mehr als ein Drittel des ‚Volkes‘ sind Radautüten bestehen auf Lärmverschmutzung und Feinstaub. Den Krawallbrüdern und -schwestern gehört ein Böller im Arsch gezündet, eine Rakete in der Hand explodiert, ein Jahr persönliches Bashing durch Greta Thunberg und als erstes in der Klimakatastrophe die Atemluft genommen.
Draußen ballern die Idioten. Es ging schon vor Weihnachten los. So als sei Krieg in Marzahn.
Das mit dem Böllerverbot geht schon in Ordnung. Doch da gibt es noch die tagtägliche Licht- und Lärmverschmutzung.
Berlin kommt nicht mehr zur Ruhe. Es ist immer hell, irgendwo ist immer ein Wummern und Dröhnen.

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