
Fortlaufende (aus dem Zyklus ‚Menschen in der Großstadt‘)
Nr. 2950
Unikat: 13 x 18 cm ORWO Baryt-Fotopapier
(c) 2020 Makkerrony
Wie hoch darf der Preis für Etwas sein?
die tägliche dosis bild – garantiert menschgemacht

Fortlaufende (aus dem Zyklus ‚Menschen in der Großstadt‘)
Nr. 2950
Unikat: 13 x 18 cm ORWO Baryt-Fotopapier
(c) 2020 Makkerrony
Wie hoch darf der Preis für Etwas sein?

Selbstermächtigung (aus dem Zyklus ‚Menschen in der Großstadt‘)
Nr. 2949
Unikat: 13 x 18 cm ORWO Baryt-Fotopapier
(c) 2020 Makkerrony
Weitaus gefährlicher als ein Corona-Leugner ist der Werte-Leugner Gutmensch!

Wie dunkel ist eine Nacht?
Nr. 2715
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2020 Makkerrony
Ich bin noch nicht so digitalisiert, dass ich meine menschlichen Sinne und Empfindungen durch flinke Texte und Bilder ersetzen kann. Diese Erkenntnis führt überwiegend digital gelebte „Freundschaften“ ad absurdum, macht sie für mich wertlos und verzichtbar.
Im Laufe der letzten Jahre haben sich ein paar alte ORWO Fotofilme angesammelt, die endlich mal belichtet werden wollen. Den Anfang soll der NP20 machen, stilecht in der Lomo LCA verknipst. Erst wollte ich meine geliebte Exa 1b reaktivieren, doch war ich einfach zur separaten Belichtungsmessung zu faul. Gut, dem NP20 liegt ein Mini-Belichtungsratgeber bei, doch das anvisierte Sujet ist vom Licht her etwas komplizierter als die drei Vorgaben des Beipackzettel.
Ich packe den Film aus und beim Versuch, die Kunststoffhülle um die Filmpatrone zu entfernen, breche ich mir fast die Finger. Das Gefühl hatte ich schon damals, als es die DDR noch gab und ich mit der Beirette oder Exa 1b geknipst habe. Auf alle Fälle ist der Film gut verpackt, so als hätte ORWO damit gerechnet, dass der Film erst nach über dreissig Jahre in die Kamera gelegt wird.
In alten ORWO-Rezepten* nachgelesen, soll der NP20 bei 1 + 40 ganze neun bis elf Minuten in R09 baden. Darkroom Solutions gibt bei 1 + 20 fünf Minuten an. Die Zeiten erinnern mich an den Rollei Retro 80s. Ihn belichte ich statt mit einer ISO 80 mit einem EI 50 und entwickle ihn dann wie folgt:
Erste Minute kippen, dreißig Sekunden warten und dann wieder dreißig Sekunden kippen. Die Dose ruhen lassen. Dritte und vierte Minute Dose zweimal kurz kippen. Dose ruhen lassen. Sechste Minute zweimal kippen und Dose bis zur achten Minute stehen lassen. Fertig und den verbrauchten Entwickler ausgießen.
Diesen Entwicklungsrhythmus nenne ich heldenmäßig den MakkerRony Move. Bei der Papierentwicklung ist mir aufgefallen, dass die Bewegung des Fotopapiers im Entwickler am Anfang mehr Einfluss auf die Entwicklung des Bildes als das Schwenken am Ende der Entwicklung. Den ORWO NP20 als EI50 zu behandeln rührt einfach aus meiner Erfahrung heraus, dass derart alte Negativfilme bis zu einem Lichtwert mehr Licht vertragen können.
Voraussetzung, dass der ORWO NP20 trotz seines Alters noch halbwegs ordentlich funktioniert, ist eine halbwegs vernünftige Lagerung. Das kann natürlich niemand garantieren …
* Entwickeln, Norbert Göpel, VEB Fotokinoverlag Leipzig, 1976
Während meines vierwöchigen „Erholungsurlaubs“ habe ich mir vorgenommen, wieder verstärkt knipsen zu gehen. Ein Thema ist da natürlich meine Menschen in der Großstadt-Reihe. Und so suche ich mir den wärmsten Tag der Woche aus, um mit meiner Lomo LCA bewaffnet auf Schnappschuss-Jagd zu gehen. Bei solch sonnigen Wetter ist der Berliner Lustgarten das Ziel. Ich takte mich zur Mittagszeit dort ein, da sollte rund um das Wasserspiel eigentlich der Bär steppen.
Pustekuchen!
Schon als ich die Tram verlassen habe, fiel mir die Leere rund um die Marienkirche auf. Es sind Menschen unterwegs, doch nur wenige. Die, die unterwegs sind, machen kaum den Eindruck des Touristen. Eher scheinen hier Berliner unter sich zu sein. Keine Hütchenspieler, keine Devotionalienverkäufer. Kein Fremdling steht mir im Weg und hält mich von meinem Lauf ab. Nur die Koberer der Sightseeing-Flotte fallen auf. Dass das neuartige Corona-COVID19 – Virus die Tourismusbranche beutelt war mir schon klar, dass der wahre Berliner seine Großstadt für sich allein zurück hat und nicht mit gemütlich trabenden Hindernissen teilen muss, soweit ging mein Gedanke nicht.
Dieser Corona-Shut-Lock-Down war für mich ganz hilfreich zu erkennen, wie sehr ein Dienstleistungszweig von der sozialen und zwischenmenschlichen Verarmung des Homo digitalis abhängig ist. Die sogenannte Reisewut der Deutschen ist doch nichts weiter als die Unfähigkeit des Menschen sich selbst beschäftigen zu können. Nach zwei Monaten Brutpflege und Home Office muss bei einem Eimer Rotwein-Ersatz mit Fruchtgeschmack richtig entspannt werden. Da macht sich der Unverwundbare keine Gedanken über Ansteckungs- und Übertragungswege, er ist jung genug den Schnupfen locker wegzustecken. Wer sich keinen „Urlaub“ leisten kann, der hockt zu Hause und sucht sich Abwechslung darin andere zu beschäftigen statt selbst aktiv zu werden.
Ich bin erstaunt darüber, wie schreckhaft Menschen die Richtung und Seite wechseln, nur um nicht meinen oder den Weg anderer zu kreuzen. Unverwundbar gegen Hypochonder. Der Mensch kennt nur schwarz oder weiss. Wir befinden uns in der freien Großstadtnatur, ein leichter Wind geht. Wir umarmen uns nicht, fassen uns nicht gegenseitig an. Das ein kleines Corona-Aerosol sich in meinen Atemweg verirrt ist nahezu unwahrscheinlich. Was soll also diese Angsthasen-Taktik?
Eine liebe Freundin meinte, man hätte die Großstadt zum Anfang des Shut-Lock-Down fotografieren sollen. Damals fand ich die Idee gar nicht schlecht. Es war nur zu spät für diese Idee. Wenn ich jetzt und heute das Verhalten der Menschen sehe und an einem heißen Sommertag erlebe, wie leer die deutsche Hauptstadt an ihren Touristen-Hotspots ist, dann ist diese Situation festzuhalten die vielleicht bessere Idee.
Ich komme Lustgarten an.
Gähnende Leere.
Menschen, ob einzeln oder als Gruppe, sind dünn gesät. Fast 35 °C fordern und foltern mich. Und wo sonst Kinder bis alte Leute ausgelassen toben und das kühle Nass genießen, ist keine Menschenseele zu sehen. Freitags, 12 Uhr Mittags, Berlin, Springbrunnen im Lustgarten. Wenn Corona etwas mit uns Menschen ändern wird, dann ist es die Egomanie unserer Spezies.