Meisterwerke – Henri Cartier-Bresson

Künstler allgemein und Fotografen im Speziellen sind ganz besondere Menschen. Sie kramen einen hohen hölzernen Sockel hervor, stellen sich darauf und beginnen über ihren schweren Weg der Künstlerschaft zu sinnieren. Der Fotograf bekam im Alter eines Kindes die Kamera des Opas, Vaters oder Onkels geschenkt und fortan waren beide bis zum heutigen Tage miteinander verschmolzen. Irgendwann hatte der Herr Fotograf den kreativen Einschuss, etwas ganz Außergewöhnliches getan zu haben und gab der Heiligen Krücke einen bedeutungsschwangeren Namen. Stellt sich ein gewisser Erfolg ein, ist die Suppe während des Aufwärmens gut umzurühren und fertig ist das Menü. Sarkasmusmodus aus.

Henri Cartier-Bresson steht für den ‚entscheidenden Augenblick‘, Martin Zurmühle hat das ‚Vier-Augen-Modell‘ sowie das ‚Doppelte Dreieck‘ erschaffen und Ansel Adams und Fred Archer begeistern selbst Digitalfotografen mit dem erdachten Zonensystem. Man möge mir gerne Neid oder andere niedere Instinkte unterstellen, für mich steht Kunst auch für Emotionen, für eigene Gedanken, Intuition und viel kreative Arbeit. Aus meiner Sicht das Dumme an der Heldenvergötterung ist, das sie ewig nachschwingt und über Generationen weiter fortpflanzt. Am Ende bleibt ein steriler Klumpen Wissen, der, dem Fortschritt sei dank, so nur noch schwer anwendbar ist.

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Tangerine Dream – Tangerine Dream (AMIGA)

Ganz AMIGA-like kommt diese schwarze Scheibe ohne einen Albumtitel daher. Im weltweite Datennetz wird es heute, entsprechend der Titel auf der A- und B-Seite, als „Quichotte“ bezeichnet. Es handelt sich hier um einen Konzertmitschnitt, aufgenommen Anfang 1980 im ‚Palast der Republik‘ in Ost-Berlin (DDR), der später in dem Rest der Erde unter dem Titel „Pergamon, Live at the ‚Palast der Republik‘ GDR“ veröffentlicht wird.

Wie ich zu Tangerine Dream kam und damit zu der AMIGA-Pressung des Konzerts, daran kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Sicherlich war es die elektronisch erzeugte Musik, die mich damals fasziniert hat. Ich denke da insbesondere an Tubeway Army und „Are ‚Friends‘ electric“ aus dem Jahr 1979. Dann ist da auch noch das Cover des Albums, was aus dem Allerlei der sonst üblichen AMIGA-Alben hervorsticht. Da Tangerine Dream weder im Ost- noch im West-Fernsehen beziehungsweise Radio gespielt wurden, war es ein Kauf im blinden Vertrauen auf gute Musik aus dem Westen. Meine Investitionssumme: 16,10 Mark der DDR.

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The White Room – The KLF

Willkommen zum ersten Beitrag in der Plattenstube, der neuen Rubrik im Magazin ‚Der Lichtbildprophet‘. Musik hören ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ich, Makkerrony, Chefredakteur und Empfangsdame des Magazins ‚Der Lichtbildprophet‘ höre viel Musik, für mich allein in meiner Blase. Gelegentlich gehe ich mit meiner Perle in Konzerte. Neben ein paar Hundert CD’s gehören auch über 1111 Scheiben schwarzes Gold zum Inventar des Betonpalastes. Ihm, dem Vinyl oder altdeutsch auch Schallplatte genannt, ist diese Rubrik gewidmet. Ähnlich der Leseecke und besonderen Fotografie-Bildbänden, werden in der Plattenstube in unregelmäßigen Abständen für mich besondere Schallplatten vorgestellt.

Es bedarf keiner langen Überlegung, welches Album aktuell die Top 1 in der Plattenstube ist. Für dieses Album bin ich vom Grundsatz abgewichen, keine Unsummen für ein gebrauchtes Album zu zahlen. Aber ‚The White Room‘ aus dem Jahre 1991 musste ich unbedingt auf Vinyl haben. Da ‚The KLF‘ auf künstliche Verknappung und jede Menge Bohei gemacht hat, muß der musikliebende Endverbraucher für Musikträger wie die Schallplatte an windige Geschäftemacher Fabelsummen zahlen. So funktioniert der doofe Kapitalismus. Es gibt nur eine andere schwarze gebrauchte Scheibe, für die ich auch mehr Geld als notwendig ausgegeben habe: Die AMIGA-Pressung der ‚Greatest Hits‘ von ‚Depeche Mode‘ aus dem Jahre 1987.

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Couples – Ellen von Unwerth

Wo fange ich bei diesem Bildband an? Er kam noch vor der Jahrtausendwende heraus, da war für mich die Welt schon nicht mehr so ganz in Ordnung. Mein Musikgeschmack hat sich von den Hitlisten entfernt und neben dem Familienleben stecke ich im Fernstudium fest. Eine Kollegin gibt den Rat, mir für die Zeit nach dem Studium ein Hobby zu suchen, denn ich wüßte sonst nichts mit meiner wiedergewonnenen Freizeit anzufangen. Ich beherzige den Ratschlag und keine zwei Jahre später beginne ich mit einer nebenberuflichen Karriere als Freier Autor beim fotoMAGAZIN. Weitere Verlage und Fotofachzeitschriften und vier Bücher folgen. Die Mini-Karriere endet 15 Jahre später: Nach der Chemotherapie bin ich nicht mehr in der Lage, so flüssig und konzentriert zu schreiben wie vorher. Außerdem, wer will 2015 noch gedruckte Zeitschriften oder Bücher kaufen, wo es im Internet doch alles kostenlos und rund um die Uhr gibt.

Im Rahmen der Leseecke habe ich bereits darüber philosophiert, dass zu meinen fotografischen Idolen der Anfangszeit Helmut Newton und Leni Riefenstahl zählen. Später, am Ende meiner digitalen Phase, ist es Miroslav Tichy und er ist es bis heute geblieben. Nehme ich jedoch Helmut Newton als perspektivische Basis, dann sei mir der Gedanke erlaubt, dass Ellen von Unwerth die kleine Schwester des großen Helmut ist. Beim Durchblättern von „Couples“ sehe ich gedachte Linien als Parallelen zwischen den beiden. Ellen möchte etwas mehr provozieren, etwas mehr wagen, den Tick lauter und schriller sein. Als kleine Schwester, das Nesthäkchen einer fotografischen Ära, darf und muss sie so sein. Alles wirkt auf mich lockerer, nahezu spielerisch und das gefällt mir.

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Bromoil Photography – Erich Püschel

Zwei Fragen bewegen mich bei dieser Buchvorstellung: Ist die Treibfeder des Kunstmachens die Unfähigkeit, die Welt zu akzeptieren, wie sie ist? Und muss ein Edeldruckverfahren mit den Mitteln der Moderne in die Moderne überführt werden? Ich tendiere in beiden Fällen zu einem Nein. Warum macht Mensch und Menschin Kunst? Der Mensch macht Kunst, um Emotionen zu verarbeiten, komplexe Ideen auszudrücken und soziale Bindungen einzugehen. Kunst ist ein Ventil für Kreativität und hilft, offene Fragen des Einzelnen zu verstehen. Kunst fördert das Zusammenleben und ist eine Form der Kommunikation. Meine erste Frage könnte ein Jein werden.

Zweite Frage. Unter Edeldruckverfahren werden meist historische, manuelle fotografische Druck- und Entwicklungsprozesse zusammengefasst, die überwiegend aus der fotografischen Anfangszeit des vorherigen Jahrhundert stammen. Lege ich den damaligen Stand der Technik zugrunde, ist ein Konflikt mit der heutigen Präzision der Fotografie vorprogrammiert. Ganz bewußt wähle ich diesen Perspektivwechsel, da sich der Achse Alt – Neu-Kombination beinahe jeder mir bekannten aktuellen Veröffentlichung rund um das Thema alte fotografische Druck- und Entwicklungsverfahren bedient wird. Der Sucht nach Perfektion gebe ich nicht nach, allein der mangelnden Interaktion zwischen Bild und Betrachter. Jedenfalls in meinem Fall und ich bleibe bei meinem Nein.

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