Spaces – Nils Frahm

„Musik muss laut sein“ wurde mir vor fast zwanzig Jahren gesagt. Damals begleitete ich die Berliner Band K(l)eingeld mit der Kamera. Es entstanden eine Reihe guter Aufnahmen, weshalb mir die Zeit absolut positiv in Erinnerung bleibt. Nur mit dem Muss und Lautsein komme ich bis heute nicht klar. Laute Musik erzeugt Schmerzen und macht selbst die schönste Musik kaputt. Ich hasse es, wenn Menschen im Alkoholrausch die Musikanlage aufdrehen und dazu noch lauthals mitlallen. Musik braucht eine gewisse Lautstärke, aber körperliche und seelische Schäden sollte ich beim Hören von Musik nicht davon tragen.

Meine musikalische Verbindung zu Nils Frahm stellte sich über „Coming Home by Sven Vaeth“ her, welches am Ende „Says“ von Nils Frahm enthält. Dieser Titel stach so aus dem Rest von „Coming Home“ heraus, dass es in meinem Gehörgang hängen blieb. Ein Model gab mir den Hinweis, wer der Künstler hinter dem Instrumentalstück ist. Der Kreis ist fast geschlossen: Irgendwann spiele ich „Says“ im Atelier, die Perle ist anwesend, die Stimmung passt und der Titel zu unserem Lied. Ich lege mir „Spaces“ in Vinyl zu, es folgen bald weitere Platten mit Nils Frahm.

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History of German Porn – Gretchen Kraut

Dem Bildband „Private Pornography in the Third Reich“ lag eine Karte von Goliath Books bei, die mir den Kauf dieses Bildbandes „History of German Porn“ ans Herz legt. Da zwischen der Veröffentlichung und meiner Rezension fast anderthalb Jahrzehnte liegen, kann ich den Titel nur noch im Antiquariat des Internets über Booklooker zu einem annehmbaren Preis erstehen. Ich bin überrascht, welche Summen für dieses Buch vereinzelt aufgerufen werden. Es muss sich um ein Meisterwerk der Vintageerotik und wildester Solosexfantasien handeln.

In der Tat kommt „History of German Porn“ mit deutlich mehr Text als das von mir bereits rezensierte „Private Pornography in the Third Reich“ daher. Was den Inhalt und die Bildauswahl angeht, steht „History of German Porn“ dem „Private Pornography in the Third Reich“ in nichts nach. Ich lerne schon beim Lesen des Klappentextes und der Einführung, dass der spröde Deutsche einen Stock im Arsch hat und zum Bumsen in den Keller geht. Erst die 68er haben die stocksteifen Hüften zum diversen Rudelbumsen gelockert. Die bösen Nazi haben selbst die Lust am Sex ausgerottet, wer daran glaubt.

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Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte – Peter Wyden

Ich bin erstaunt, wie naiv meine Gedanken sein können. Ein Beispiel: Allen Ernstes glaubte ich, dass es unter gläubigen Leidensgenossen keinen Verrat gibt. Das Lesen des Sachbuches „Stella Goldschlag: Eine wahre Geschichte“ von Peter Wyden belehrt mich eines Besseren. Das nächste Beispiel: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Juden jüdischen Überlebenden der Konzentrationslager Vorhaltungen machen, ein Vernichtungslager überlebt zu haben. Das Essay „Die Untergegangenen und die Geretteten“ von Primo Levi eröffnet mir diese andere Perspektive. Ein Auslöser für diese Haltung könnte Stella Goldschlag gewesen sein.

In dem Gedankenchaos habe ich irgendwann die Überlegung zugelassen, dass Juden womöglich auch NSDAP gewählt haben. Anstoß war der Film „Endlich Tacheles“ von Jana Matthes und Andrea Schramm, in dem es um böse und gute SS-Offiziere in einem Computerspiel geht. Meine Gedankenfragmente möchte ich um Viktor Klemperer und seine „LTI“ ergänzen. Dieser Titel ist für mich persönlich sehr wichtig, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft die Sprache für ihre Zwecke missbraucht.

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Highway to Hell – AC/DC (AMIGA)

Nachdem ich wieder mit dem Hören und Sammeln von Schallplatten begonnen habe, liegt mein Fokus auf zwei Dinge: Ich lege mir jetzt die AMIGA-Schallplatten zu, die ich in meiner Jugend bereits hatte oder die ich damals nicht käuflich erwerben konnte. Zum anderen liegt der Fokus meiner Sammlung auf Livemitschnitte. Wie es mit dem ‚Will‘ und ‚Wollte‘ so ist, sind die Ziele bei der Vielfalt an neuen und alten runden Tonträger schnell vergessen. So auch bei AC/DC und dem Album „Highway to Hell“: Ich lege es mir gleich doppelt, als Neupressung und in der AMIGA-Pressung zu. Jetzt, wo ich in wenigen Tagen in Phase III wechsle, andere sagen Rente dazu, ist die Sammlung auf über 1200 schwarze Scheiben angewachsen.

Nach meinem Empfinden und vor allem aus heutiger Sicht erklomm AC/DC mit „Highway to Hell“ ein neues musikalisches Level. Alles wirkt im Detail, als auch als Langspieler insgesamt, reifer und erwachsener. Für mich besonders bemerkenswert: Mit „Back in Black“ und neuem Sänger, nach dem Tod von Bon Scott, legt AC/DC ordentlich nach, ohne sich dabei zu wiederholen. Nehme ich alle weiteren AC/DC-Studioalben bis zum heutigen Tag, dauert es nach meiner Meinung bis „Power Up“, in dem dieselbe Energie und Spielfreude der Band zu spüren ist. Eine gewagte These von mir.

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Jan Saudek

Mein erster Gedanke: Mit Miroslav Tichy und Jan Saudek kenne ich zwei ehemalige ČSSR-ler, die die Fotografie auf ihre ganz einzigartige Weise kreativ beeinflußt haben. Der zweite Gedanke: Jan Saudek inszeniert im Stil eines schrill-bunten Wanderzirkus, dessen Ruhm immer zwei Städte im Voraus gastiert. Der dritte Gedanke geht an eine eigene Arbeit: Nicht wenige Menschen betrachten Modelle, die sich als Akt fotografieren lassen, als eine Art Freiwild. Männer wie Frauen vergreifen sich als Aussenstehende in ihrem Urteil oder reißen an sich, was sie glauben an sich nehmen zu können.

Besagte Arbeit (Foto 1 und Foto 2) hat damals wenig Begeisterung beim Modell hervorgerufen. Dabei ist der Fotograf, der mit seiner Kamera ihren Intimbereich sehr aufdringlich abfotografiert, ihr späterer Ehemann. Ich weiß nicht mehr, was genau sie ‚gestört‘ hat: Moralische Bedenken, Unbehagen der Situation wegen oder ein versteckter Überdruss, der jede Freude an Sexualität und Intimität platt macht. Vielleicht war es auch die gruselige Atmosphäre der einen Langzeitbelichtung. Ich selbst zähle die beiden Aufnahmen zu meinen stärkeren Digitalfotografien.

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