Lieblingsfarben und Tiere – Element of Crime

Lese ich Rezensionen, zum Beispiel über Musik, und höre mir dazu das bejubelte Werk in Apple Musik an, klafft da eine gewaltige Lücke zwischen Realität und Dichtung. Gut, Geschmäcker sind verschieden. Aber mal ehrlich: Singsang auf politische Korrektheit getrimmt, queeres Rumschwulen befohlen und hirnloses Eindreschen auf nichtlinke Lebensmodelle, machen manch Veröffentlichung wirklich nicht besser. Der Computer, mein bester Produzent, dazu eine depressiv dreinschauende Zuckerpuppe, die 30 mal Fotze oder Bitch pro Titel quiekt, das ist Lärmverschmutzung und Ressourcenverbrennung. In diesem melacholisch-emotionalen Absacker paßt es wie die Faust aufs Auge, „Lieblingsfarben und Tiere“ von Element of Crime abzuspielen und dreimal pro Biertulpe rauszuhauen, dass früher alles besser war.

Letztgemachte ist genauso unwahr wie die Aussage, die heutigen jungen Künstler können richtig toll Musik machen und bräuchten keine KI und elektronische Softwareinstumente. Nette Anekdote: Musikexpress kürt die 500 (!) besten Alben aller Zeiten und unter den auserkorenen Meisterwerken ist kaum etwas Neuzeitliches zu finden. Zu den ‚Besten‘ werden Alben gezählt, die um meine Geburt und Kindheit herum entstanden sind und die sogar in meiner Vinylothek zu finden sind. So weit kann mein Verständnis von guter bis herausragender Musik vom berufenen Munde einer straff gendernden Musikzeitschrift nicht sein.

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Die Geschichte der Unschärfe – Wolfgang Ulrich

Für mich spielt in der Bildgestaltung Unschärfe eine zentrale Rolle, sei es die Fotografie oder die Malerei. Nicht nur, dass ich bewußt die Kamera oder das Motiv bewege, lange Belichtungszeiten wähle oder Störungen beim Entwicklungsprozess als Unschärfen einbeziehe, die schiere Vielfalt macht oft auch das Ergebnis nicht vorhersehbar. Unschärfe ist für mich ein Baustein der Entropie, ein Teil des Chaos.

Ohne die Unschärfe und die Technik dahinter zu bewerten, sind Miroslav Tichy, Gerhard Richter als auch Thomas Ruff in gewisser Weise Vorbilder für mich. In irgendeinem Beitrag äußere ich mich dahingehend, dass mir keine reine Abhandlung zum Thema Unschärfe bekannt ist. Also mache ich mich in der Parallelwelt auf den Weg und finde das Buch „Die Geschichte der Unschärfe“ von Wolfgang Ulrich.

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The Endless River – Pink Floyd

Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mir dieses Pink Floyd-Album auf Vinyl zugelegt habe. Vorab habe ich es mir per Streaming bei Apple Music reingezogen, meine Begeisterung hielt sich dabei in Grenzen. Das liegt nicht daran, dass ich ein Roger Waters-Fan bin und ich mit dem, was der verbliebene Rest Pink Floyd’s veröffentlicht hat, nichts anfangen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Roger Waters bei Pink Floyd: Ja; Roger Waters solo: Nein danke. Ich weiß, dass das Album nach dem Tod von Richard Wright und zu dessen Ehren herausgebracht wurde. Vielleicht war es die falsche Stimmung, die anfänglich einen musikalischen Keil zwischen „The Endless River“ und mir treibt.

Kopfmäßig war ich nicht bereit, in meinen Gedanken den Schritt zu gehen, dass es ein typisches Album von Pink Floyd im alten Stil nie mehr geben wird. Dazu hat Roger Waters zu sehr sein übergroßes Ego gepflegt und seine Vergangenheitsbewältigung andere Bandmitglieder spüren lassen. Wohl wichtiger ist: Wenn letztendlich mit altem aussortiertem Material gearbeitet wird, muss sich das Ergebnis wie eine Zeitreise durch die Bandgeschichte Pink Floyds anhören. Und das tut es auch.

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Pain Gain – Pain Gain

Ich wage ein Experiment: Das Erstlingswerk Pain Gain von Pain Gain klingt via Streaming hörbar, jedoch digital schlecht. In der Regel ist das identische Werk von Vinyl abgespielt, um Längen besser. Außerdem wollen die 8% Rabatt meines Musikexpress-Abo bei JPC genutzt werden. Hinzukommen zwei Aspekte: Laut Label, aufgeschnappt bei RollingStone-Online, handelt es sich bei Pain Gain um eine australische Supergroup. Der Musikexpress bringt in seiner Rezension Celine Dion ins Spiel. Letztgenanntes kann ich nicht bestätigen: Celine jammert und schreit und ich zitiere aus einer alten Tarzanverfilmung, als Tarzan im Radio eine Opernsängerin singen hört: Frau krank.

Wer den in meinen Ohren gelungensten Titel des Albums als Anspieltipp hören möchte, nimmt das letzte Lied Dead Dog Dream. Damit möchte ich nicht sagen, dass es mit den anderen Titel abwärts geht. Ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte, mit etwas mehr Talent und Risiko beim Abmischen, dazu etwas Konfetti und Glitzer ins Klangbild, hat die Scheibe Potential. Gut, es ist Dream Pop und wer möchte beim Träumen, Kuscheln und Knutschen durch Konfetti & Co. gestört werden. Und was mein Experiment betrifft: Von Vinyl genossen ist Pain Gain besser, wären da nicht die kleinen akustischen Ausreisser.

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Nostalgia – Hania Rani

Ich bin gerne auf der Suche nach neuen Stimmen und neuer Musik. Wer mich kennt, der weiß, dass das Neue schon etwas Besonderes an sich haben muss. Das Besondere muß nicht die Unverkennbarkeit oder ein breites kreatives Spektrum sein. Die Einzigartigkeit kann für mich auch allein in der Ruhe einer Stimme und der Musik liegen. Kein Schreien, kein Gequietsche oder andere Geräusche, die meinen Tinnitus auf 180 bringen

Meine persönliche Entdeckung der Stille des Jahres ist Hania Rani, die ich über eine Ólafur Arnalds Playlist und dem Titel „Whispering House“ von Rani’s Album „Ghosts“ gefunden habe. Dieses Album „Ghosts“ hätte es eigentlich genauso verdient, hier im Überschwang von mir gelobt zu werden. Ich entscheide mich für „Nostalgia“, einem Live-Album der polnischen Künstlerin Hania Rani.

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