Einfach Licht drüber gebügelt

„Ich hab alten Fotofilm für dich. Der soll Licht gesehen haben, schwärzt sich am Rand. Sind aber alles kleine Abschnitte.“

Der neue Kollege mistet die Hinterlassenschaften seines Vorgängers aus. Sein Fotofilm ist ein moderner technischer Film für die Maskenherstellung. Modern ist vielleicht etwas übertrieben, in der Ausbildung sollte man ruhig jene Technologien zeigen, die die digitale Arroganz erst möglich gemacht hat. Jedenfalls hält er mir einen Karton größer A4 vor die Nase und ich beisse an.

Nun sitze ich im Atelier und sortiere im Rotlicht das überlassene Fotomaterial aus. Alles was kleiner 13 x 18 cm ist Basis zum Einbelichten und der Rest ein Fall für die vorbildliche Entsorgung. Ich habe eigentlich nur Kleinzeug kleiner der klassischen Postkarte. Allmählich macht sich in mir Wut breit: Der Karton war eine klassische Mogelpackung. Am Ende komme ich auf 8 Bögen, die nach dem Zuschnitt ein Lichtbild von etwa 18 x 24 cm ergeben. Bei der zu erwartenden Ausbeute lohnt es sich eigentlich nicht, dem Thema überhaupt anzunehmen. In meinem Materiallager liegen einige Kartons ORWO FU5-Film für meine PosaNeg-Aktivitäten. Da brauche ich diesen Spaß hier nicht.

Es gibt eine kleine Herausforderung: Wenn das Material Licht und sei es nur partiell gesehen hat, lässt sich dennoch ein Motiv drüber belichten? Also ich denke da an eine Doppelbelichtung. Die erste Belichtung völlig zufällig, die zweite Belichtung mein Motiv. Um es gleich vorweg zu nehmen: Entwickelt mit einem Lithentwickler. Andere Spielvarianten mit superadditiven Entwicklerkombinationen fasse ich nicht ins Auge. Wenn, dann soll es Hydrochinon und die Zeit alleine richten.

Dank der vielen Schnipsel komme ich auf eine „funktionierende“ Kombination aus Belichtung und Lithentwicklung. Die Materialabschnitte verhalten sich sehr unterschiedlich. Dazu kommt, das Filmmaterial auf Sicht entwickeln etwas andere Abbruchkriterien hat, da das „Positiv“ später mit einen weißen Hintergrund verklebt wird.

Irgendwie funktioniert das, was ich vorhabe. Für den Fall, dass ich das Filmmaterial zu lange entwickle, bade ich das Positiv auf Negativmaterial in Selen und lasse den Farmerschen Abschwächer das überschüssige Silber abtragen. Der Fall trifft zum Glück nur einmal ein. Alles andere kann ohne Nacharbeit weiterverarbeitet werden. Statt erwärmter Gelatine verwende ich zum Verkleben des Mixed Media Imagine-Papier von Canson mit dem technischen Film diesmal handelsüblichen Zellleim, angereichert mit einem Schuss Latex Bindemittel. Diese Kombination lässt sich im Gegensatz zur Gelatineverklebung, weil nicht so temperaturempfindlich, besser verarbeiten.

226_2019

Wall aus Schwall

Wall aus Schwall
Nr. 2093
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2019 Ronald Puhle

Das Wort ‚Inklusion‘ ist entweder international total bedeutungslos, ein böses Wort (böser als ‚Fotze‘ zum Beispiel) oder einfach nur Schwachsinn weil dem geistigen Misthaufen der Gutmenschen entsprungen. Jedenfalls die Textkorrektur von MacOS kennt ‚Inklusion‘ nicht.
Gut so und damit aus meinem Vokabular gestrichen!

Natalia Dereveajenco an Photoalchemist: ‚Ihre wissenschaftliche Arbeit, Hr. Lichtbildprophet‘

Hat er oder hat er nicht?
Lord Lichtbildprophet ein Schreibwerk über ‚Dunkle Experimente‘ geschrieben und veröffentlicht?
So richtig?
Nicht im Internet, wie es heute jeder Dödel tun kann?
Richtig echt, wofür Bäume sterben mussten?

Ja!
Er hat!
Ist ja auch nicht so schwer rauszubekommen. Man muss nur an der richtigen Stelle, in der Liste der wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen des Großmeisters RoPu nachlesen.

Er war jung und brauchte das Geld!
Ganz einfach.

Aber jetzt hat er keine Lust mehr Sklave eines Verlags zu sein.
Die Neuen Halbwissenden des Internets mit ihrem Abschluss an der Wikipedia-Universität, sie wissen alles besser und noch viel mehr als Nichts. Sollen sie schreiben, für den renommierten Akademikerverlag, der mich unerwünscht an meine helle Vergangenheit in der Dunkelkammer erinnert, die ein schnöder Artikel war. Diese Natalia erinnert mich an eine Trine vom genauso renommierten Calvendo-Verlag. Das ist der Verlag mit den ISBN-Kalendarien. Was für ein Qualitätsmerkmal für Druckerzeugnisse der Amateurklasse. Und diese Calvendo-Trine hatte mich auch einfach so angeschrieben, hat auf interessiert gemacht und suchte doch nur Deppen, die den Lebensunterhalt der Auswahljury finanzieren sollten:

Zitat Anfang
Sehr geehrter Herr Lichtbildprophet,
ich nehme Kontakt zu Ihnen auf um in Erfahrung zu bringen, ob Sie der Autor der wissenschaftlichen Arbeit „Dunkle Experimente“ sind.

Der AV Akademikerverlag publiziert wissenschaftliche Fachliteratur und wir können uns vorstellen, Ihre Arbeit als Fachbuch in unser Buchprogramm aufzunehmen. Die Publikation wäre für Sie als Autor dabei selbstverständlich mit keinen Kosten verbunden. Herr Lichtbildprophet, darf ich Ihnen weitere Informationen in einer elektronischen Broschüre zusenden?

Mit freundlichen Grüßen,
Natalia Dereveajenco
Autorenbetreuung
e: n.dereveajenco@akademikerverlag.de
w: www.akademikerverlag.de

Zitat Ende