Der Dritte

Ich befinde mich im Jahr Drei nach einer Diagnose ‚Hodgkin Lymphom‘.

Vor drei Jahren freute ich mich wie hulle: Drei der sechs Zyklen sind fast geschafft, ‚Gandalf der Weiße‘ und die gesamte Praxis macht 14 Tage Sommerurlaub. Ich nehme mir in dem Mehr an Erholungszeit vor wieder zur Kamera zu greifen. Doch es kommt alles anders. Eine Gürtelrose verhagelt mir das Bergfest und parallel kollabieren die Geschmacksnerven. Bis auf ein paar längere Spaziergänge und grottig schlechte Aufnahmen kriege ich nichts gebacken. Die Nervenschmerzen begleiten mich noch heute, ein Mal, das wohl nicht weichen will.

Ich falle in Erinnerungen zurück, suche die Blogs, die über ihre Erfahrungen mit Hodgkin und BEACOPP eskaliert berichtet haben. Sie sind fast alle weg. Ich denke nicht, dass es die Betroffenen nicht geschafft haben. Immerhin waren es junge Menschen, was man von mir nicht behaupten kann. Vielmehr glaube ich, dass es das fehlende Interesse der Hobbyjournalisten/-autoren ist ihre – wichtige – Geschichte eines Hodgkin-Patienten nach der Chemotherapie weiter zu schreiben. Wo vorher die Ungewissheit und Unsicherheit zur Verarbeitung durch Schreiben motiviert hat, bekommt man heute für die ‚Probleme danach‘ nicht dieselbe Aufmerksamkeit. Oder verschiebt die eigenen Prioritäten. Schließlich hat man es doch geschafft, darf weiterleben und hat gefälligst mit dem Jammern aufzuhören. Ich halte dagegen:

Der eigentliche Kampf gegen die Erkrankung mit dem Hodgkin Lymphom hat nach dem Abschluß der Chemotherapie und dem negativen PET/CT begonnen!

So ist jedenfalls meine Erfahrung.

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NegaPos

Auf meiner ToDo-Liste steht schon seit einiger Zeit:

Mit der Linhof auf ORWO 9×12 Fotopapier fotografieren

Das ist keine überragende Idee. Vor dem Glas und Zelluloid war lichtempfindliches Papier das Negativmedium. Nur habe ich noch einiges an 9 x 12 cm ORWO Fotopapier herumliegen, das ja irgendwie und irgendwann verbraucht werden will. Am Lichtbildpoet-Projekt arbeite ich derzeit nicht und es ist auch nicht abzusehen, ob ich mich dafür noch einmal begeistern kann. Außerdem: Gegenüber neuem Fotopapier ist das uralte ORWO Fotopapier wunderbar langsam. Da bin ich bei Bewegungsunschärfe angekommen, lege ich den fotografischen Fokus auf das Menschenbildnis.

Der erste Versuch eines Selbstbildnis scheitert. Das Licht und die Belichtungszeit sind deutlich zu gering. Während ich versuche die Kassette nachzuladen, klingt das Modell. Ich verzichte darauf mich für den nächsten Versuch wieder zu drapieren. Das darf jetzt jemand tun, der viel besser als ich aussieht. Mehr Licht, mehr Belichtungszeit und etwas Bewegung. Im Lith-Entwickler und nach ein paar bangen Minuten Wartezeit entsteht mein ‚NegaPos‚. Es bedarf einiger invertierender Blicke um zu erkennen, dass da ein barfüßig weiblich Mensch steht. Das Ergebnis sieht nicht wie ein ’normales‘ Negativ aus. Die Art und Weise der knappen Negativbelichtung, kombiniert mit dem harten Lith print, ist in meinen fotodepressionistischen Augen ein verfolgenswertes Stilmittel. Nur ärgert mich das Querformat als Vorzugsorientierung der Linhof Kardan Color 9×12.

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Einen 1,5 fach-Vergrößerer für 9×12-Glasnegative selber bauen – Das Vorwort

Im Rahmen des Lichtbildpoet-Projekts sind mir auch ein paar Kleinbild- und Rollfilm-Negative in die Hand gefallen. Es liegt nahe, sie in den Vergrößerer zu stecken. Das tat ich, war aber nicht wirklich angetan davon. Viel interessanter finde ich es, Glasplatten-Negative zu vergrößern. Hier dominiert in meiner ‚Sammlung‘ das 9×12 cm-Format. Die Idee: In ‚Fach- und Sachgesprächen‘ betone ich zu gerne, dass eine klassische Optik immer in beide Richtung einer optischen Achse funktioniert. Das sorgt gelegentlich für Erstaunen oder ein ‚Stimmt nicht‘. Selbst der Verweis auf die sogenannte ‚Retrostellung‘ des Objektivs lässt die Skepsis nicht weichen. Diese Ablehnung aus dem Halbwissen heraus stört mich nicht. Im Gegenteil: Ich baue mir aus einer alten 9×12 Kamera einen Vergrößerer für Glasplatten desselben Formats.

Zwei Welten prallen aufeinander. Da sind die Möchtegern-Profi, zahlreich in den verbalen Muckibuden und Online-Pöbelzentren vertreten. Danach gibt es tausend Argumente gegen das Ansinnen. Nur daran versucht hat sich keiner der Maulhelden. Also schweigt lieber! Und da ist die Fach- und Sachliteratur aus vergangenen Jahrzehnten-Tagen, die sehr wohl von der Möglichkeit reden. Ich erinnere an Stapf, der offensichtlich kein Freund von Vergrößerungen, dafür aber von Kontaktkopien war. Und: Bei meinen Recherchen abseits des vorlauten Mainstreams fand ich sogar Hinweise auf Laufbodenkameras, die sich mit wenigen Handgriffen zum Vergrößerer umbauen ließen. Es gibt diesen Weg nicht nur rein theoretisch, es gab ihn auch schon ganz praktisch. Unsere Arroganz und Bequemlichkeit hat ihn uns vergessen lassen.

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