Eigentlich habe ich nichts geschafft

Viel hatte ich mir für die zwei Wochen Auszeit vorgenommen, zum Beispiel

einem Emulsionslift auf einer Kachel, BetrachtStein, einen Upcycling-Holzrahmen basteln,
mich der Chromoskedasic Sabattier Technique zu wenden,
etwas mehr draußen fotografieren
und Moersch Pyro 48 auf Papier auszuprobieren.

Nächste Woche steigt ewig!, zwei Jahre intensive Arbeit mit meinen Rentnern neigen sich dem Ende zu. Danach geht es mit dem Fotografischen Frühschoppen zwar weiter, ich möchte wieder zu den experimentellen Anfängen dieser Runde zurückkehren.

Die Liste der ToDo’s ist ehrgeizig, ich habe aber auch Zeit und nix anderes im Kalender zu stehen habe. Doch der Besuch bei ‚Gandalf dem Weißen‘ vor meinem Urlaub nimmt mir den Wind aus den Segeln. Es gibt eigentlich keinen Grund zur Sorge, nur ein paar plötzlich auftauchende ‚Symptome‘, die genauso schnell wieder weg sind. Ich versuche ihm alles zu erzählen, doch man lässt mich nicht aussprechen. In Summe werde ich nur einen Aspekt der ‚Problemchen‘ los, bekomme ‚Horrorszenarien‘ gemalt, die sich bei Kenntnis der Gesamtlage dann doch eher als ‚psychisch‘ bedingte Luftschlösser erweisen könnte. Denke ich zumindest und ich soll ja den Deputy-Doktor geben, die richtigen Fragen stellen. Wenn mir von anderer Stelle gesagt wird ‚… ist das noch nicht weg, es ist doch schon so lange her‘, dann möchte ich zum Hobbit werden und mich in meine Erdhöhle verkriechen.

Gestern las ich die Kurzbeschreibung eines Blogs:

‚Überleben trotz Krebs – weil Krebs nie weg geht, denn wenn er weg ist, bleibt er in den Gedanken.‘

Wie wahr und hier liegt wohl auch mein Problem. Zudem glaube ich, dass meine Stressresistenz extrem nachgelassen hat. Ich versuche extra geschmeidig durch die Welt zu gleiten. Doch da sind die Mitmenschen, die mir mit ihren Allüren mein Leben schwer machen wollen. Muss ich wieder aussortieren und das, was mir nicht gut tut aus meinem Leben streichen? ‚Gandalf der Weiße‘ wäre ein potentieller Streichkandidat, obwohl ich ihm damit Unrecht tue. Ich bin das Problem.

Obwohl alles vorbereitet ist, bastle ich keinen Upcyclingrahmen für meinen BetrachtStein. Zwei Dunkelkammer-Session widme ich mich der Chromoskedasic Sabattier Technique und komme auf keinen brauchbaren Zweig. Ich mag nicht an die wandernden Silberkörner in der Emulsion glauben, das ist pure Alchemie. Was ich herausfinde: Ich muss für Sabattier & Co. mit dem Cyanotypie-Gesichtsbräuner arbeiten. Das Unterbau- und Deckenlicht in der Dunkelkammer ist zu schwach.

Die Tage werden kälter, meine Lithprints brauchen mehr Zeit. Ich greife zum Wasserbad und kann über die Konzentration der Arbeitslösung, die Belichtung sowie Agitation und die Lage der oberen Schale meine Störungen im Abzug halbwegs reproduzierbar beeinflussen. Das ist ein echter Wissens- und Bildgestaltungszuwachs für mich. Letztlich bekomme ich auf diesem Weg sogar eine schöne ’neue‘ Farbigkeit in mein altes ORWO-Fotopapier.

Draußen fotografieren? Ich bekomme gerade mal eine Tour hin. Dafür räume ich meine Waffenkammer auf um festzustellen, dass mir die Lomo LCA und ein bis drei analoge Nikon’s vollkommen genügen würden. Alles andere belagert zwei Etagen im Flurschrank und wird wohl nie wieder zum Einsatz kommen. Das ist purer Luxus und im Sinne der Kreativität absolut dekadent. Ach und dann war da noch das Shooting und ein gemeinsames entwickeln von Abzügen. Das tat mir wirklich gut …

Achtung Spoiler – Nicht weiterlesen!

Ist der geneigte Leser auf der Suche nach dem größten Geheimnis aller Zeiten?
Will der Leser wissen wie es mit uns allen weitergeht?
Will der Leser wissen was gleich gesagt wird und die Welt, den Leser und ganz Deutschland wirklich verändert?
Was und worum es geht, verrät der Lichtbildprophet gleich!

„Achtung Spoiler – Nicht weiterlesen!“ weiterlesen

Notiz an mich: Vita in Ich-Form

Wenn das Leben so richtig Bock auf jemand hat, dann geschehen Dinge, die für den alleswissenden Normalsterblichen nicht normal sind. Eigentlich Mitten im Leben stehend, kommt der schmerzhafte Karzinomtritt gegen das Schienbein. Egal wer entscheidet, es soll einen gewissen Prozentsatz Menschen geben, für die heißt es ‚Du musst weiterleben‘. Komm mal mit diesem Hickhack auf die Schnelle klar. Nix ist mit Empathie und dem ganzen Mimosenunwesen, das Leben kennt keine Kuschelstunde.

Ich frage mich: Wer oder was ist ein EU-Rentner? Holt der seine Kohle immer in Brüssel ab?
Erwerbsunfähigskeit = EU!

Eigentlich wollte ich über diese Vita verbal herfallen. Was soll die Schreiberei in der Dritten Person und dann diese Aussagen? In der Ich-Form ist es nicht nur persönlicher, sondern auch verbindlicher. Was man mit und nach dem Krebs erlebt kann nur nachvollziehen, der es selbst erlebt. Ich darf mir immer anhören: ‚Wie, du hast noch Probleme? Ich dachte nach der Chemotherapie und etwas Zeit ist alles wieder gut‘. Es ist zum Verzweifeln aber wie soll man verstehen wenn man nichts versteht. Also lasse ich es sein über den Autor herzufallen. Ich wirke irgendwie empathisch, dabei wurde mir erst heute Sarkasmus in meinen Worten nachgesagt.

„Notiz an mich: Vita in Ich-Form“ weiterlesen

Argumentationshilfe für eine verpasste Gelegenheit

Geburtstage und Weihnachten haben jedes Jahr so ein völlig überraschendes Element. Und für die, die mich ja so mögen und meinen diesjährigen Geburtstag total verpennt haben, gebe ich ein paar Argumentationshilfen an die Hand:

– Du warst in tiefer Trauer um Costa Cordalis, dem singendem Hinterteil im Gesicht,

– Instagram, Whatsapp und Facebook waren stundenlang lahm gelegt,

– Du hast Dir meinen Geburtstag nicht richtig eingetragen,

– Dir ging es gestern absolut nicht so gut,

– wie Geburtstag? Ist schon wieder ein Jahr rum das Du überlebt hast,

– Du kannst doch mal was vergessen, andere vergessen nur und ich sollte dafür mehr Verständnis haben und

– Du bist auf dem Weg zur Klimademo mit deinem E-Roller liegen geblieben und musstest stundenlang auf den ADFC warten.

Ich danke denen, die trotz dieser unmenschlichen Widrigkeiten gestern einen Weg fanden, mir ein paar liebe Grüße zukommen zu lassen!

Mein Verständnis ist dann mal alle

Das Modell es mit Termin- und Zeitabsprachen nicht so genau nimmt und ich doch mehr Verständnis für die Situation der jungen Dame zu haben habe, das kenne ich seit Anfang an meiner scheinfotografischen Karriere. Die ganze Welt erwartet und verlangt von mir umfassendes Verständnis. Zum Beispiel die Betreiber des Berliner öffentlichen Nahverkehrs. Zur Zeit muss ich mit einem Schienenersatzverkehr oder der weiträumigen Umfahrung zurechtkommen. Ich gebe mir mehr Zeit und umfahre, weiträumig. Es vergeht nur kein Tag, an dem mal was nach Fahrplan läuft: Bahn minutenweise zu früh oder zu spät, S-Bahn fällt aus oder sie fährt, wie sie will. Man hat seitens der BVG und S-Bahn Berlin für die Verzögerungen und Ausfälle zwar keine Schuld, bittet mich aber um Verständnis. Mittlerweile nervt mich diese Masche gewaltig, weil sie auf widerliche Weise in alle Bereiche des Lebens eingezogen ist: Persönlich hat keiner Schuld und man bittet mich um Verständnis. Ja, ich muss sogar Verständnis haben, so zumindest die Forderung.

Terminabsprache. Soweit alles klar, denke ich, nur würde ich gerne wissen, wo genau wir uns treffen wollen. Selbst der kelinste Ort in Berlin kann ziemlich groß sein. Schweigen. Vierzehn Tage. Zur Verabredung kommt es auch nicht, geschweige denn, dass eine Erklärung kommt, warum die Antwort auf sich warten lässt und die Terminabsprache vielleicht nur ein ‚Spaß‘ um mehr persönliche Aufmerksamkeit war. Nix, schweigen. Und wenn ich der Prinzessin gewaltig verbal die Leviten lesen würde, käme nur ein blödes Sorry und ich sollte doch bitte Verständnis haben, dass ausgerechnet an dem Verabredungstag urplötzlich Oma’s wöchentliche Badetag ist. Oder man wieder so eine Depri hat, weil man seinen Hintern nicht von der Couch bekommt und nicht weiß, wie man sich selbst beschäftigen könnte. Oder was weiß ich. Die Liste der Ausreden ist lang wie lächerlich.

„Mein Verständnis ist dann mal alle“ weiterlesen