Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen (Erweiterte Neuausgabe) – Heiner Müller

In meiner heutigen Leseecke geht es nicht um einen Bildband zur Fotografie oder anderen Formen der bildenden Kunst. Ich möchte über Heiner Müller’s „Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen“ meine Gedanken festhalten. Ausgangspunkt ist meine erste Leseecke-Rezension „Der Tod ist ein Irrtum – Brigitte Maria Mayer und Heiner Müller„. Ich wollte mehr über Heiner Müller erfahren, den ich bewusst am 04. November 1989 das erste Mal wahrgenommen habe. Zwar kann ich mich nicht mehr an den Inhalt seiner Rede auf der großen Demonstration am Alexanderplatz erinnern, doch das tut mittlerweile nichts mehr zur Sache. Die DDR, die friedliche Revolution und die gefressenen Kinder der Revolution sind längst vergessen.

Ich trage seit einigen Jahren Zweifel an der heutigen Darstellung der DDR und damit meiner Kindheit und Jugend mit mir herum. Da war vor einigen Monaten der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen, in der ich mich als Besucher einer geführten Gruppe anschließen muss. Da ist der Gruppenführer, der wegen einer Coca Cola und Westjeans unbedingt in den Westen wollte. Es sind da aber auch die jungen Autoren, die die DDR bemühen und Assoziationen herstellen, die sie allein ihres Alters wegen nicht erlebt haben können. Zeitgeschichte vom Hörensagen, gefärbt von Erinnerungen und vom Verdrängen.

„Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen (Erweiterte Neuausgabe) – Heiner Müller“ weiterlesen

Lust an sich – Karsten Thomas

Es befinden sich einige Bildbände von Karsten Thomas in meiner kleinen Bibliothek. Das liegt nicht daran, dass ich ein großer Fan des deutschen Fotografen bin. Eher ist es der Tatsache geschuldet, dass der Konkursbuchverlag hin und wieder Bücher im Konvolut abgibt. Genau hier habe ich zugeschlagen und bin so an eine Reihe Bildbände von Karsten Thomas gekommen. Es lässt sich für den Leser daran ablesen, dass weitere Bildbände von Karsten Thomas im Magazin Lichtbildprophet besprochen werden.

Ich möchte mit „Lust an sich“ beginnen, einem der ersten Bildbände, die von Karsten Thomas erschienen sind. Ohne wirklich alle seine Bildbände zu kennen, halte ich den Bildband für die vielfältigste Arbeit, die er veröffentlicht hat. Ich meine mit Vielfalt die Ausarbeitung auf unterschiedlichen fotografischen Medien, der aus meiner Sicht der Hauptwesenszug eines Bildes ist. Doch der Hauptgrund, mit „Lust an sich“ zu beginnen, ist die Formulierung im Klappentext, dass die Frau bei Karsten Thomas kein Objekt und Opfer ist.

„Lust an sich – Karsten Thomas“ weiterlesen

Bodyvision: Lithuanian Nudes – Matthias Reuss

Der heute von mir vorgestellte Bildband ist bereits vor dreißig Jahre erschienen. Er zeigt Arbeiten von zehn litauischen Fotografen und Fotografinnen, alle Arbeiten sind in Schwarzweiß gehalten. Die Auswahl kann nicht vielfältiger sein: Klassischer Akt im Low Key, Outdoor, Indoor, jung, sehr jung und alt, Experimente mit Mehrfachbelichtung bis hin zum angedeuteten Liebesspiel. Was bei allen Künstlern gleich ist und für die getroffene Auswahl in seiner Gesamtheit spricht, ist das Natürliche der dargestellten Menschen aller Altersklassen und die respektvolle Art und Weise der Fotografie überhaupt. Vielleicht entsteht der Eindruck aus der Distanz der drei Jahrzehnte, die dieser Bildband nun mittlerweile alt ist.

Ein Bildband Aktfotografie kommt ohne den Körperkult des klassischen Weibchengepose nicht aus. Da die Auswahl der Fotografen jedoch unterschiedlicher nicht sein kann, geht die gewohnte Zutat des erotischen Bildbands in den restlichen Inszenierungen unter. Diese Abwechslung locker das Gesamtwerk auf und verleitet, im Internet nach mehr zu suchen. Hier und da wird die Suche leider ohne Erfolg gekrönt sein.

„Bodyvision: Lithuanian Nudes – Matthias Reuss“ weiterlesen

Der Künstler als Fotograf – Ernst Ludwig Kirchner

Insofern sich der Leser für Malerei und den Expressionismus interessiert, dürfte der Name Ernst Ludwig Kirchner ein Begriff sein. Aus seinen Händen stammen auch Grafiken, Skulpturen und Fotografien. Letztere sind Gegenstand des Bildbandes, den ich hier kurz vorstellen möchte.

Ein Maler der fotografiert: Was für eine Steilvorlage für all jene, die ekstatisch über Kunst, Malerei und Fotografie diskutieren wollen und müssen. Ich bin der Diskussion Leid. Wie die Malerei bietet auch die Fotografie, ja selbst die Analogfotografie, zig Möglichkeiten, das fotografierte Gesehene zu manipulieren. Es beginnt bei den Kameraeinstellungen und endet im Fixierbad in irgendeiner Dunkelkammer. Wenn mich irgendetwas an diesem Gezänk interessiert, dann nur die Frage, ob die Exkursion des Malers ins andere Fach Fotografie nur eine kurze Episode oder von Dauer war. Alles andere ist für mich Makulatur.

„Der Künstler als Fotograf – Ernst Ludwig Kirchner“ weiterlesen

Starke Frauen im Osten – Günter Rössler

Als Ex-Bewohner eines Landes, das es nicht mehr gibt, ist es für mich die ehrenvolle Quasi-Pflicht, einen berühmten Fotografen aus der untergegangenen Heimat DDR in der Leseecke vorzustellen. Jetzt müßte ich nur noch berühmte DDR-Fotografen kennen. Ich übertreibe nicht: Günter Rössler war für mich kein Begriff. Erst nach der Wende stieß ich auf seinen Namen und ich schaute mal, was er so alles in Schwarzweißbildern festgehalten hat. Den hier besprochenen Bildband bekomme ich als ein Geschenk, was ich aus der beiliegenden Karte „Frohe Weihnachten“ schließe.

Der Bildband mit dem Untertitel „Fotografien 1964 bis 2009“ wendet sich elf Modellen des Fotografen zu, wobei jedem Modell in einem kurzen Abriss ein paar Zeilen gewidmet ist. Irgendwie wollen für mich Texte, Bilder und ich als Betrachter keine Symbiose eingehen. Ist es die Sprache, die zu sehr an DDR erinnert? Ist es das Hochleben der emanzipierten Ex-DDR – Ostfrau bis 2009? Oder ist es eher der Mikrokosmos einer Modewelt, dem ich keine Beachtung schenkte, weil er sein Eigenleben genüßlich lebte? Ich fühle an einen Besuch in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erinnert. Während der Führung, ohne Führung geht dort nichts, erklärte der Guide, dass er wegen Cola und Jeans unbedingt in den Westen wollte. Ich war sprachlos und bin es an der Stelle immer noch. Für mich handelt es sich hier um das Problem einer, konkret meiner, Störung in meiner Prioritätenliste.

„Starke Frauen im Osten – Günter Rössler“ weiterlesen