Lichtbildpoet reaktiviert?!

Machomodus an!

Ich sehe mich ja schon zu Höherem berufen. Bin kein weichgespülter Typ wie all diejenigen, die heute so als ‚Mann‘ rangezogen werden. Deshalb käme ich auch nie auf den Gedanken, mich Lichtbildpoet zu nennen. Der Alias ist doch was für Weichflöten, Warmduscher und Frauenversteher. Der Alias Lichtbildpoet fiel mir zu, weil jemand den Lichtbildprophet nicht richtig gelesen hat. So entstehen Legenden, so funktioniert Leben: Ein Zahnrädchen ist nicht in der Spur, nimmt seine Rolle nicht richtig wahr und schon werde ich verbal zur heulenden Pussy degradiert.

Machomodus aus!

In der Tat entstand dieser weitere Alias für mich aus dem Flüchtigkeitsfehlers eines Besuchers. Lichtbildpoet war domaintechnisch nicht besetzt, also adoptierte ich den Begriff. Für eine Weile ruhte der See (die Domain) still vor sich hin, bis ich den Lichtbildpoet mit meinen Aktivitäten rund um uralte Negative verband: Ich interpretiere vom Negativ Momente unbekannter Fotografen nach meinem Gusto. Hauptsächlich verwende ich alte Glasnegative, später kommt altes Filmmaterial dazu.

Dieses Projekt Lichtbildpoet war für mich der Versuch einer Motivation. Nach dem Ende der Chemotherapie und dem beruflichen Wiedereinstieg lief alles andere nur schleppend an. Ich erinnere mich an ein Geschenk alter Glasnegative. Das war bereits Jahre her. Jetzt kam eine große Einkaufstasche mit altem ORWO-Fotopapier geschenkt dazu. Darin waren auch Papiergrößen, die ich sonst nie nutzen würde. 9 x 12 cm Glasnegative und das passende Fotopapier: Ich fertige Kontaktkopien auf abgelaufenem ORWO-Fotopapier an. Lithentwicklung. Nach und nach erweitere ich meinen Bestand um Negative weiterer unbekannter Fotografen. Es ist so spannend den vergangenen Momenten anderer ein neues Bild zu geben und ausgemustertes Fotopapier, Jahrzehnte alt, doch noch verwenden zu können. Ich könnte der Erfinder der Nachhaltigkeit sein.

Irgendwann wuchs der Wunsch in mir, zumindest die 9 x 12 cm Glasnegative auf größeres Papier zu ziehen. Also kaufe ich eine 9 x 12 cm-Plattenkamera und baue diese zum DIY-Vergrößerer 13 x 18 cm um. Was ich weiss aber noch nicht ernsthaft in Betracht ziehe: Die alten Fotos auf Glasnegative sind nur für Kontaktkopien gemacht. Zwar gibt es zur damaligen Zeit des Entstehens der Aufnahmen auch ‚Vergrößerungen‘, doch sie gehen nicht über den Faktor 1,5 hinaus. In der Kontaktkopie wirken alte Glasnegative knackig scharf, in der Vergrößerung jedoch butterweich. Und so gebe ich recht schnell die Vergrößerung der alten Aufnahmen wieder auf, verwende das Charakterschwein in Gestalt des Selbstbau-Vergrößerers für meine eigenen Kleinbildaufnahmen. Außerdem steigere ich die Abzugsgröße von 13 x 18 cm auf 18 x 24 cm. Der Lichtbildpoet als Motivationsinitialzündung zündet und ich taufe diese meine imperfekte ‚Handschrift‘ als den Photographischen Depressionismus.

Seit Mitte 2018 liegt das Projekt Lichtbildpoet brach. Ab dem Moment sehe ich keinen Grund, fremdes Negativmaterial zu Bildern zu machen. Es ist spannend, aber auch mühsam. Die alten Glasnegative müssen einzeln durchgesehen werden und vertragen mal eine Reinigung. Ursprünglich wollte ich eine kleine Ausstellung mit den ‚Fundstücken‘ machen, doch ich komme irgendwie davon ab.

Eine liebe Freundin bekundet vor Kurzem Interesse an den alten Glasnegativen. Wir kommen sogar kurz dazu ein paar Kontaktkopien anzufertigen. Ja, das Thema Fundstücke und Lichtbildpoet bleibt spannend für mich, andere Dinge sind für den Moment und mich viel aufregender. Dazu gesellt sich auch das aktuelle Unwesen um den Verkauf alter Originalnegative. In der Bucht werden für 0815-Motive Mondpreise verlangt. Einzelstück. Was da als Akt deklariert wird, sind posende Frauen in Winterkleidung. Dann kennen die Profi-Verkäufer den Unterschied zwischen Negativ und Positiv (Dia) nicht. Dazu kommt abfotografiertes Bildmaterial, Billig-Reproduktionen und liebloses Standardgepose. Eben die ganze Welt der großen Könner.

Lasse ich den Lichtbildpoet wie Phönix aus der Asche auferstehen? Nein, es ist ein kurzes Aufflammen. Für mehr wird es nicht reichen. Ende letzten Jahres habe ich einen Teil des alten Fremd-Filmmaterial entsorgt. Wenn ich Lichtbildpoet spiele und die Fundstücke zu Bildern mache, dann bitte nur im Sujet Menschenfotografie. Alles andere ist für mich nicht von Interesse. Wenn ich wieder in ein Motivationsloch getapst bin, dann hole ich die Filmstreifen raus, lege sie in meinen Selbstbau-Vergrößerer und ziehe davon ab. Es werden auch ein paar neuere Aufnahmen dabei sein, Nimmersatt-Posing bis plumper Amateurpornografie im Stil der ‚Das Heimliche Auge‘-Jahrbuchreihe. Die Glasplatten sind irgendwie später vielleicht mal dran. Vielleicht.

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Besonnen er sich besann

Besonnen er sich besann
Nr. f_0039
Fotofilm: 6 x 9 cm
Fotopapier: Gevaert Ridax
Entwicklung: Kontaktbelichtung, 2018
(c) 2018 Ronald Puhle a.k.a. Lichtbildpoet
Informationen zur Urheberschaft und dem Projekt ‚Lichtbildpoet

Also Tchibo, dessen Sortiment für Männer und ich – Der Kaffeebräter meint wohl eher gutaussehende Weichflöten, die Frauen zur besten Freundin haben!

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Ebenenglück

Ebenenglück
Nr. 1461
Druck: Größe: 30x40cm Medium: Hahnemühle Photo Rag
(c) 2018 Lichtbildprophet

Musik ist kein Mittel gegen ein Demokratiedefizit ‚etablierter‘ politischer Kräfte.

Vergiß den historischen Zusammenhang nicht

So ein daher gelaufener fotografischer Halbgott meint zu mir, ich solle meine Fundstücke vergrößern. Derart klein im Kontakt kopiert, ist es für das Genie viel zu anstrengend, sich die historischen Miniaturen anzusehen. Man könne ja diese Bilder gar nicht richtig genießen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie es dem Unwissenden gelingt, seine Blödheit unter Beweis zu stellen. Den Blick stocksteif auf die moderne Fotografie fixiert, gesteht sich der Spinner Ratschläge zu, die völlig daneben sind. Etwas mehr Sinn fürs Historische und er hätte sich den Kommentar sparen können.

Gehe ich davon aus, dass die Jahre um 1840 als das Erfindungsjahrzehnt der Fotografie gelten, hat es etwa bis Anfang des 20. Jahrhundert (also ab 1900) gedauert, bis ein Objektiv patentiert wurde, welches sich auch für den Vergrößerungsprozess eignet. Es fehlen jetzt nur noch geeignete Lichtquellen. Bis dahin und noch weit darüber hinaus werden Aufnahmen auf Glasplatte und später auf Zelluloid als Filmträger angefertigt, davon im Kontaktverfahren Abzüge erstellt. Das heißt: Wer große Abzüge haben möchte, der muss dementsprechend große Negative anfertigen. Heute reden wir von der Großformatfotografie. Selbst das deutlich kleinere Mittelformat (zum Beispiel 6 x 6 oder 6 x 9 cm) liefert am Anfang seines Aufkommens ausschließlich Negative für Kontaktkopien. Sowohl auf Glas als auch auf Zelluloid.

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Lichtpause

Das große Aufräumen geht weiter. Schamlos nutze ich das Aus- und Fernbleiben jedweder Emotionen, Gegenstände nüchtern-sachlich in die Hand zu nehmen und ihnen eine Zukunft mit oder ohne mich zu prognostizieren. So füllen sich Kisten, Kartons und Tüten mit Dingen, die – weitestgehend – fachmännisch entsorgt werden. Das Wenige was übrig bleibt, bildet die Grundlage für Neues.

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