Starke Frauen im Osten – Günter Rössler

Als Ex-Bewohner eines Landes, das es nicht mehr gibt, ist es für mich die ehrenvolle Quasi-Pflicht, einen berühmten Fotografen aus der untergegangenen Heimat DDR in der Leseecke vorzustellen. Jetzt müßte ich nur noch berühmte DDR-Fotografen kennen. Ich übertreibe nicht: Günter Rössler war für mich kein Begriff. Erst nach der Wende stieß ich auf seinen Namen und ich schaute mal, was er so alles in Schwarzweißbildern festgehalten hat. Den hier besprochenen Bildband bekomme ich als ein Geschenk, was ich aus der beiliegenden Karte „Frohe Weihnachten“ schließe.

Der Bildband mit dem Untertitel „Fotografien 1964 bis 2009“ wendet sich elf Modellen des Fotografen zu, wobei jedem Modell in einem kurzen Abriss ein paar Zeilen gewidmet ist. Irgendwie wollen für mich Texte, Bilder und ich als Betrachter keine Symbiose eingehen. Ist es die Sprache, die zu sehr an DDR erinnert? Ist es das Hochleben der emanzipierten Ex-DDR – Ostfrau bis 2009? Oder ist es eher der Mikrokosmos einer Modewelt, dem ich keine Beachtung schenkte, weil er sein Eigenleben genüßlich lebte? Ich fühle an einen Besuch in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erinnert. Während der Führung, ohne Führung geht dort nichts, erklärte der Guide, dass er wegen Cola und Jeans unbedingt in den Westen wollte. Ich war sprachlos und bin es an der Stelle immer noch. Für mich handelt es sich hier um das Problem einer, konkret meiner, Störung in meiner Prioritätenliste.

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Photographien – Josef Breitenbach

Ich bin eher ein Freund alter Meister der Fotografie. Aus ihren Bildern spricht die vornehme Zurückhaltung des Zeigens, ohne alles zu zeigen. Statt Provokation und neusten Hacks der digitalen Bildbearbeitung, steht noch überwiegend das Individuum in seiner perfekten Imperfektion im Vordergrund. Der Fotograf, natürlich auch die Fotografin, ist nicht nur Meister der Inszenierung und Aufnahme. Die Interpretation mit den vielfältigen Möglichkeiten der Dunkelkammer heben die Klassiker von den mausklickenden Gefangenen des Algorithmus ab. Vielfalt statt Einfalt. Einer der Vielfältigen war für mich Josef Breitenbach.

Das vorgestellte Buch erschien anläßlich der Ausstellung „Josef Breitenbach Photographien – Retrospektive zum 100. Geburtstag“ im Jahre 1996. Meine Motivation, diesen Bildband zu kaufen, kann ich für den Moment nicht nachvollziehen. Aktuell fand ich ihn zwischen Bildbänden mit Helmut Newton und vielleicht habe ich ihn in dem Zusammenhang erworben. Blättere ich das Buch flüchtig durch, spricht mich die Vielfalt von der Ausarbeitung bis hin zu den Genres an. Josef Breitenbach scheint nicht festgelegt und ließ sich offensichtlich auch von Neuem begeistern.

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Der Pegel stinkt

Auf ein weiteres Wort zum Sonntag, jeden Samstag neu und Achtung: Im Folgenden handelt es sich um Sarkasmus und Realsatire:

Medien an.

Sinkt!
Aktualisieren Sie heute auf den 250-GB-Speicherplan.
Warnung! Ihr Cloud-Speicher ist voll.
Sofort für die Garantieerweiterung Plus registrieren.
Das ich dafür zahlen soll, so zackig ist Synology nicht drauf.
Futterneid ist nicht Diskriminierung oder Ausgrenzung.
Die Zuckerhasen lassen die Glocken läuten?
Fischdruck.
Schwitzstube.
Bärenwein.
Beeren.
Meta sperrt Instagram-Accounts sexpositiver Clubs.
Mobbing. Schikane. Diskriminierung.
Knallharte amerikanische Zensur?
Stets bemühte Willkür.
Das ist einfach Genital.
Be Kini.
Applefans schnappen sich heute den Pencil Pro?
Nö!

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Serie Boltenhagen

Lila, der letzte Versuch. Es ist ein Familienausflug, ein 1 Tagesritt nach Boltenhagen. Auf einer Nikon D60 ist das Holga HL-Spaßobjektiv aufgesetzt. Rund um die eigentliche Blende im Objektiv, sind weitere kleinere Öffnungen verteilt. Sie streuen diffuses Licht in den Hauptstrahlengang und sollen für eine Wiedergabe ähnlich der analogen Holga-Kamera sorgen. Ja, die Bilder sind unscharf, nur nicht so wie ich es mir vorstelle. Froschperspektive, etwas längere Belichtungszeiten und beim Auslösen die Kamera bewegt, sind nicht hilfreich. Ich halte ein paar Aufnahmen für gut und sie werden auch in einer Ausstellung gezeigt, doch es ist nicht das, was ich zeigen möchte.

Auch wenn ich in den nächsten Monaten die D60 und meine Nikon D200 weiter benutze, ich befinde mich in einer fotografischen Sackgasse. Ich möchte nicht Photoshop und Analogfilm-Emulationen Unschärfe & Co. überlassen. Das Original soll nahezu fertig unscharf sein und ich brauche nur noch entscheiden, ob ich im Bunt bleibe oder ins Schwarzweiß wechsle. Die Serie Boltenhagen ist mein Abgesang an die digitale Fotowelt. Nach und nach ersetze ich digital durch analog. In den nächsten fünfzehn Jahren versuche ich mich in beinahe jeden analogen Kameratypus. Erst mit der Original-Lomo (Kleinbildformat) und der neueren Pentax 17 (Halbformat) lande ich einen Treffer. Beide belichten automatisch und doch gelingt es mir mittels langsamer Filme und der eigenen Kamerabewegung die Spielwiese Unschärfen für mich zu erschließen.

Vier digitale Arbeiten, die Serie Boltenhagen aus 2011, Meilenstein und Wendepunkt für mich. Denn die Serie liegt auch zwischen zwei privaten Gewitterfronten, was die eigentlich nüchterne Serie für mich persönlich auch noch emotional macht.

Mein Leben mit Mitsu – Marcel Magis

Wenn ich über das Internet etwas Lobenswertes sagen müßte, dann wäre die reale als auch virtuelle Begegnung mit Marcel Magis eine der wenigen positiven Nutzererfahrungen. Wie es das Leben will, hat die Geschichte kein Happyend: Etwa anderthalb Jahre nach dem Ende meines Kampfes gegen den Krebs muss ich in einem Onlinebeitrag lesen, dass Marcel ein paar Monate vorher verstorben ist. In einem kleinen Beitrag nehme ich Abschied von einem für mich besonderen Menschen. Er war nicht laut, beinahe schüchtern und doch präsent.



„Mein Leben mit Mitsu“ ist kein spektakuläres Enthüllungsbuch heutiger Zeitrechnung mit viel Drama, Trauma und Rache aus gekränkter Eitelkeit. Marcel Magis hatte ein Gespür und wohl auch die Erfahrung für die feinen Details des Lebens: In Berlin saßen wir zusammen im Charlottchen, unweit des Atelier Flackerlight, und philosophierten im Koffeinrausch über das Leben, die Liebe, Enttäuschung, Wahrheit und Lüge. Ich erzählt ihm damals von meinem persönlichen Drama. Er hörte zu und meinte, nachdem ich mich final ausgeheult habe, dass die Liaison meiner Ex-Frau mit ihrem Lover schon länger als nur die eingeräumte kurze Zeit geht. Treffer versunken. Wie ich später erfuhr, hatte er Recht.

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