Willkommen in der wundersamen Welt des Homo digitalis

Wie mich die Neuzeit zum Mobiltelefon zwingt, muss ich heute auch eine Kreditkarte haben. Also beuge ich mein Knie vor dem Turbokapitalismus und habe jetzt wieder Kreditkarte. Und damit alles für mich sooooo einfach ist, soll ich gleich auch die App zur Kreditkarte installieren. Die gibt es nur für das iPhone, das iPad ist nach Apple’s Meinung inkompatibel. Ich installiere.

Ich darf eine Smart-TAN festlegen, damit ich nicht nur sicher, sondern tierisch sicher bin. Also lege ich fest und versuche wenig später Online am iMac Einstellungen zu ändern. Um die Änderung abschließen zu können, muss ich in der installierten und frisch eingerichteten App meine Smart-TAN eingeben. Nach der fünften Eingabe inklusive Einblendung, die eingegebene Smart-TAN sei falsch, benutze ich das Smartphone auch mal zum Telefonieren. Sofort habe ich Kontakt zur Kundenabwehr. Ein Mann. Ihm schildere ich mein Problem und bekomme die knackige Antwort: „Es gibt Probleme mit dem iPhone. Sie müssen eine E-Mail schreiben und der technische Kundenservice ruft sie zurück.“

Ich mag ja Männerantworten. Kurz und knackig, keine Gefühlsduselei. Ja oder Nein. Vielleicht ist was für Mädchen. Und trotzdem war ich sprachlos. Ich bekomme eine iOS App nur für das iPhone und dann funktioniert zum Beispiel die Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht? Nur zum Kontostand ablesen kann ich auch ins Internet gehen. Ich bedanke mich für die knackige Antwort und wünsche „Tschüss“.

Einloggen. Das bedeutet, dass ich per Mail über den Login benachrichtigt werde, weil das Gerät angeblich unbekannt ist. Wie die 29 anderen unbekannten Geräte, die in meiner Gerätehistorie aufgelistet sind. Freunde, das Gerät ist nicht unbekannt. Ich lösche nur die Cookies nach jedem Onlinegang. Statt dieser verschissenen Keksbremse auf nahezu jeder deutschen Webseite sollten die Daten- und Verbraucherschutzagitatoren einfach diese Lösung propagieren. Oder die Browserhersteller dazu verdonnern, dass das Löschen des Cache-Inhalts mit einem einzigen Mausklick möglich sein muss! Dann kann man sich die lästige Keksbremse sparen.

Im Kontaktformular formuliere ich in Prosa mein Problem. Und wenn diese App für das iPhone nicht tut, was sie tun soll, dann möchte ich statt der Smart-TAN lieber die gute alte SMS-TAM. Es darf nicht anders sein: Beim Klick auf den Senden-Button animiert sich ein Hinweisfenster in die Mitte des Browserfensters und teilt mir schriftlich mit, dass zur Zeit eine technische Störung vorliegt und ich es später noch einmal versuchen solle.

Da darf ich nicht aggressiv werden? Muss lieb gucken und mit den Augenlidern klimpern? Wo bleibt die positive Nutzererfahrung, auf die der Homo digitalis ein Dauer-Abo hat? Frustabbau mit Hausarbeit. Saubermachen. Ja, ich als Mann tue das. Freiwillig. Sonst macht es ja auch kein anderer. Nach einer Stunde versuche ich es noch einmal. Also das Schreiben der Nachricht um iOS, iPhone, Banking App und scheinbar falsche Smart-TAN’s.

Diesmal geht alles gut. Ich kann meine Anfrage erfolgreich absetzen. Ein Glücksgefühl macht sich in mir breit. Und keine halbe Stunde, also dreißig Minuten, später gibt man mir per Mail zu verstehen, dass meine ZFA wieder auf die schnöde SMS-TAN umgestellt ist. Hier agiert die Kundenabwehr genauso lieblos wie der Knilch am Telefon, obwohl mir jetzt von einer Frau geantwortet wurde. Sie nimmt keine Rücksicht auf meine Gefühle und erklärt mir, was Apple wieder falsch macht, damit dieses Smart-TAN so funktioniert, wie es sich der Chefprogrammierer des Kredithauses gerne wünscht. Ich fühle mich total allein gelassen und voller negativer Nutzererfahrungen.

Irgendwo zwischen Wunsch und Realität

Ich hatte mal Wünsche. Zum Beispiel mit der Angetrauten zusammen alt werden und irgendwann im hohen Alter am Weißer See sitzen und Enten füttern. Weissensee, da habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Dann kam der Tag X und der Großmeister da oben holte seine fiese Nadel raus, ließ den Wunsch platzen. Ich habe keinen Bock mehr darauf. Mit einem Mal waren alle Ideale um die Traumfrau aufgebraucht.

Nach dem Studium fing ich mit dem Schreiben an. Und es lief gut, gleich mehrere Verlage konnte ich bedienen. Fast zweihundert Ausgaben Foto-Fachzeitschriften liegen hier im Büro und irgendetwas von mir steckt darin. Also warum nicht gleich in eine Redaktion wechseln. Zwei Angebote und dann platzt der Wunsch, weil der Hungerlohn weder eine Familie noch einen Zweitwohnsitz irgendwo in Deutschland finanziert.

Ein Buch schreiben. Na gut, es wurden vier. Es ist eben was anderes einen Artikel a 3000 Zeichen zu tippen. Folglich braucht das Buchschreiben etwas mehr Übung. Das letzte Werk, es war so ein tolles Projekt, einzigartig am deutschen Markt und später von anderen Verlagen kopiert. Ausnahmsweise waren die Rezensionen durchweg positiv. Doch dann taucht das Buch kurz nach Erscheinen als PDF im Internet auf, kostenlos und die Verkäufe brechen ein. Ich war maßlos enttäuscht. Ein Haufen Arbeit und kein Eurocent verdient.

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Sagt

Ein Geburtstag ist Käse. Fast bin ich geneigt zu behaupten, dass ich mich in diesem Jahr mehr über die ausgebliebenen Glückwünsche gefreut habe als das, was mir vereinzelt zugemutet wurde.

„Alles Gute blablabla … wir müssen mal wieder miteinander plaudern.“
„Ja gerne, komm einfach im Atelier vorbei“
„Hach nein, ich muss ja hier hin, fahre in Urlaub, hab keine Zeit trallalala.“

Warum wird gesagt, man möchte mit mir plaudern, wenn klar sein sollte, dass keine Zeit für ein Plauderstündchen ist. Ich würde es nicht erwähnen, keinerlei Erwartungen wecken. Das ist wie ein Coitus interruptus, die ganze Zeit den Kopf an, damit am Ende ja nichts schiefgeht. Oder Mariechen, nur mit einem Slip bedeckt, hüpft die ganze Zeit vor mich herum um mir dann zu verstehen zu geben, dass ich von ihr nur schön träumen darf.

„Wir denken an dich und reden häufig von euch. Wir sollten mal Zeit finden und telefonieren.“

Wenn mich nicht alles täuscht, zahle ich seit Jahren für „euch“ die Gebühren, halte eure Visitenkarte am Laufen und verlange noch nicht einmal ein Danke am Ende des Jahres. Da sollte doch, wenn ihr so häufig über mich-uns redet, mal ein spontaner Kommunikationsversuch drin sein. Auch hier wäre Schweigen einfach besser gewesen, zumal für mich Schweigen kein Zeichen von Schwäche ist.

Facebook hat mich wegen eines Vergehens gegen die guten Community-Richtlinien ganz hart bestraft: Ich durfte 24 Stunden lang nichts posten! Auweia! Dieser Zuckerberg glaubt auch an den Weihnachtsmann und die unbefleckte Empfängnis. Wenn ich wieder böse Sachen poste, werde ich sogar drei Tage an der Verbreitung meiner Halbweisheiten gehindert. Jetzt habe ich echt richtig Angst! Das ist doch Kinderkacke und keine „Strafe“. Jeder Zwangsausschluss an der Verbreitung virtueller Inhalte ist eine zweitwerte Befreiung!

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Angriff der Papillomen

Krampfhaft ringe ich mit Worten, um meinen geliebten Blog mit halbwegs sinnvollem Inhalt zu füllen. Im Moment habe ich das innere Gefühl unter Beobachtung zu stehen. Das schränkt mein lockeres Schreibwerk ziemlich ein. Jedes Wort will von mir überlegt werden. Und während ich den mir aus den Fingern gesaugten Text des lieben Friedens Willen lösche, laufen mir Papillome und Detoxic (Webseite als PDF ansehen) über den Weg. Doch Vorsicht wer dem Link folgen tut! Die dort gezeigten Bilder sind so ekelerregend grausam, dass sie mit einem grafisch sicheren 18+ Schutzschild gesichert sind. Wer da rauf klickt, der ist selber Schuld. Wirklich!

Nein, ich starte mit dem Lichtbildprophet nicht in ein medizinisches Zeitalter. Dieser Beitrag ist auch keine irgendwie geartete Werbung. Es geht um eine megatierisch ernstes Gesundheitsthema, zumindest wenn man sein Gehirn nicht einschaltet: Eine Werbung leitet mich auf eine Webseite, auf der Frau Prof. Dr. Laura Kirschner erklärt, dass ich eventuell aufgefressen werde:

Zitat Anfang
Wenn Sie Papillomen am Hals, in den Achseln oder an anderen Stellen haben, werden Sie von Parasiten aufgefressen!
Zitat Ende

Na, Angst bekommen? OK, Frau Prof. Dr. Laura Kirschner legt noch eine Schippe nach:

Zitat Anfang
Wenn eine Person Papillome auf ihrer Haut hat, bedeutet dies, dass sich Kolonien tödlicher Parasiten in ihren inneren Organen angesiedelt haben und ihr Fleisch langsam auffressen.
Zitat Ende

Jetzt muss selbst der kühlste Corona-Leugner vor Angst bibbern. Was sind schon Drosten, Kekulé und Co. gegenüber Frau Prof. Dr. Laura Kirschner und ihren Papillomen. Scheiß auf Pandemie, Abstand und Kontaktbeschränkung. Wer erinnert sich nicht an die Papillomen-Impfung aus Kindertagen mit der extragroßen Pferdespritze.

Zitat Anfang
Der Statistik zufolge sind mehr als 1 Milliarde Menschen mit Parasiten infiziert. Der genaueste Weg, um eine Infektion zu diagnostizieren, ist der Papillome-Ausschlag.
Zitat Ende

Diese schonungslose wie sinnfreie Aussage hätte ich mir am Anfang des Shutdowns gewünscht. Aber nein, man erfindet ein neuartiges Corona-Covid-19 – Virus in mikroskopisch kleiner Mikrogröße und schickt es in Aerosole um die Welt, um schutzbedürftige alte Menschen umzubringen. Da sind die strunzgefährlichen Papillome ganz anders. Gefährliche Papillome kann ich erkennen, halb und ganz ganz blinde Menschen sogar ertasten! Heute scheint vergessen, dass ich wegen dem unsichtbaren wie neuartigen Corona-COVID-19 – Virus noch immer kontaktbeschränkt und auf Abstand leben muss. Der Feind, und sei es die kleinste Bazille, muss seh- und ertastbar sein, damit er als Bedrohung wahrgenommen ist.

Doch wer ist diese Frau Prof. Dr. Laura Kirschner? Ist sie überhaupt echt oder ein trumpscher Fake? Laut überzeugender Selbstauskunft ist sie eine echte Konifere, ähm sorry Koryphäe:

Zitat Anfang
Professorin des wissenschaftlichen Forschungsinstituts für medizinische Parasitologie und Tropenmedizin. Mehr als 20 wissenschaftliche Arbeiten zur molekularen Parasitologie. Befasst sich mit Verträgen zur molekularen Diagnostik der Leishmaniose.
Erfahrung: mehr als 15 Jahre

Zitat Ende

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Alltagsmasken-Alltag

Ich bin im Karnevalsmodus unterwegs. Mit Alltagsmaske und ohne Brille, da selbige beim Tragen der scheinheiligen Virenbremse ständig beschlägt. Mir gegenüber setzt sich ein Typ, geschätzt im Alter der Generation Unverletzbar*. Wie aus dem Nichts reisst er sich seine Einweg-Maske vom Gesicht und schnäuzt einmal kräftig hinein. Mit seiner Schnäuzhand greift er in seine Umhängetasche und zerrt eine neue Einweg-Maske heraus. Diese zieht er dem Nase-Mundbereich über, wobei seine Wichsgriffel auch den Filterstoff ordentlich versiffen. Die gebrauchte Maske wandert in seine Umhängetasche. Eine kurze Denksekunde und der Knilch greift wieder in die Tasche, diesmal holt er eine Flasche Handdesinfektion heraus und desinfiziert seine Pfoten gründlichst. Das ist auch gut so, steigt der Herr doch an derselben Haltestelle wie ich aus und ist darauf erpicht, den Türöffner zu drücken, da das automatische Öffnen der Türen ihm zu lange dauern scheint.

Genau aus diesem heute erlebten Irrsinn heraus ist das Tragen eines Nase-Mundschutzes hirnrissig, ist der richtige Umgang den Leuten nicht bekannt. Hauptsache unsere Chefvirologen haben beim Betrachten des Unsinns ihren Spaß, werden sie statt in den Öffentlichen im Diesel durch die Stadt gekarrt.

* Generation Unverletzbar sind die elitären Spackos, die kein Drosten-Gesichtskostüm brauchen, übermenschlich kühl sind und die als Kind leider nicht sehr oft gegen eine parkende flache Hand gerannt sind.