Kleckserei

‚Bist du mit deiner Kleckserei fertig?‘

Wäre ich ein schwanzloser Mensch der Neuzeit, müßte ich mich nach diesem Satz maßlos echauffieren, vom Mobbing und Shaming reden, mich als Multi-Künstler diskriminiert und beleidigt fühlen. Ich übertreibe? Oh nein. Unsere eierlose Gesellschaft, das System ohne Kritik kann mit einem Widerwort nicht umgehen. Widerspruch ist entweder Neid oder Beleidigung, macht den Wortführer zum Kriminellen und den Kritisierten zum bedauernswerten armen armen armen Opfer.

So einfach ist das nicht!

Natürlich ist das was ich als ‚Malerei‚ abtue zu einem Teil Kleckserei. Und nein, ich fühle mich mit dem oben genannten Satz weder beleidigt noch diskriminiert. Es ist die Meinung eines Ahnungslosen, der es selbst bestimmt – zumindest verbal – genauso gut kann, auf der anderen Seite mir aber Arbeiten aus der Hand nimmt und für sich behält. Also alles nur ‚Satire‘ oder ‚ein Spaß‘?

Es wäre schön, würde sich der Betrachter meiner ‚Klecksereien‘ Gedanken darüber machen, was meine Absicht sein könnte. Ich erzähle nicht gern was mich umtreibt. Der Betrachter soll versuchen es anhand der Arbeit, dem Bildtitel und Verschubladen zu ergründen. Hier bedarf es der eigenen Kreativität und etwas Fantasie. Und jetzt wird es eng. Wer seine Freizeit nur mit einem Tablet vor der Nase verbringt, der kann mich nicht beleidigen.

Warum auch immer kreist der Gedanke um den Zufall in meinem Kopf. Zufall, der die Fotorealistik in meinen Augen ansehbar macht. Zufall, der ein Negativ entstehen lässt. Zufall, der als Gekleckse ein Bild entstehen lässt. Ich kann aus Prinzip nicht an eine Bestimmung glauben. Das Leben ist die Aneinanderreihung von Momenten, die in ihrer Gesamtheit den Zufall ergeben. Je nach Momente kann der Zufall eben anders aussehen.

Meine ‚Klecksereien‘ bauen sich Lage um Lage, Farbe um Farbe, Technik um Technik und Moment um Moment auf. Manchmal ist am Ende nicht zu sehen was der ursprüngliche Anfang ist. Im Gegensatz zur Fotografie ist Malerei Verschwendung. Angesichts der Zurückhaltung, Gefühlskälte, Ich-Bezogenheit und der Suche nach Eigennutz kann verschwenderisch sein nicht schaden. Was der Mensch nicht geben will, gibt die Kunst, gibt mir die ‚Kleckserei‘. Letztlich mache ich mir darum mehr Gedanken als derjenige, der die ‚Kleckserei‘ ausgesprochen hat.

… ein weiteres Jahr geschafft

In dem Jahr, was vergangen ist, ging Paamii__!
Die Beisetzung war am Ersten dieses Monats, des Monats meines dritten ‚Geburttag‘.
Ich kannte sie von klein. Sie war ein Baby, ich fünf oder sechs Jahre alt.
Sie wohnte damals unter uns, eine Etage tiefer, alles über dem Kino Toni in Weißensee.
Berlin.
Nun hat sie sieben Jahre Kampf gegen den Krebs verloren.
Sie hatte aber auch sieben Jahre gewonnen.
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein echtes Arschloch im Scheißhaufen Krebs.

Man kann sich nie sicher sein krebsfrei sein. Auch wenn die ‚Schock-Diagnose-Nachricht-Oh-Wunder‘-Propaganda der Qualitätsmedien suggerieren möchte. Das Leben ist endlich und Krebs kann das Ende verdammt weit nach vorne schieben. Trotz eigener ’sehr sehr guter‘ Prognose bin ich mir nicht sicher, dass bei mir für immer Ruhe ist. Zudem haben die Nebenwirkungen ihre Spuren hinterlassen. Ich möchte nicht klagen, es ist jammern auf hohem Niveau.

Mach’s gut Pamela.

Viel hatte ich dieses Jahr vor, einiges begonnen, um dann auf Abwege zu gelangen. Die Verarbeitung überlagerter Fotomaterialien hat mich in ihren Bann gezogen. Genauso wie die Arbeit mit flüssiger Fotoemulsion. Ich meine: 2019 ist ein verdammt kreatives Jahr für mich.

Ich liebe mehr denn je meine Einsamkeit im Atelier.
Einfach kreativ sein. Ohne Ausreden, ohne mich erklären zu müssen. Einfach aktiv sein, tun und in Handarbeit gestalten.

Privat habe ich bis zu einem gewissen Maß die Nase voll vom Menschen. Vor allem mit den Zeitgenossen, die laut durchs Leben ziehen und nur Aufmerksamkeit für Nichts erwarten. Oder die nur dazu sind da, anderen Menschen das Leben schwer machen zu wollen. Die Menschen die vergessen, was Dienst am Menschen bedeutet, die ihre Offenheit und Ehrlichkeit an der ach so menschlichen Feigheit scheitern lassen. Lasst einfach Dinge sein, seid ihr nicht mit dem Herz dabei. Das ist nicht nur Selbstbetrug und Betrug dem anderen gegenüber, es ist letztlich auch reine Lebenszeitverschwendung.

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Mit Aleatorik zum Bild

Aleatorik ist die Einbindung des Zufalls in einen Schaffensprozess, insbesondere bei der kreativen Entstehung von Kunstobjekten. Das Wort leitet sich vom lateinischen Wort ‚alea‘ ab, dem Würfeln. Aleatorik ist nicht mit der Improvisation gleichzusetzen. In der Aleatorik unterdrückt der Künstler die bewusste Kontrolle über den Herstellungsprozess und erlaubt dem Unbewussten (Zufall), einen großen Einfluss auf die Arbeit auszuüben. Aleatorische Methoden werden seit Jahrhunderten als Grundlage einer künstlerischen Komposition verwendet.

Leonardo Da Vinci soll gesagt haben: ‚Schauen Sie sich Wände an, die mit verschiedenen Flecken oder mit einer Mischung aus verschiedenen Arten von Steinen gesichtet sind. Wenn Sie dabei sind, einige Szenen zu erfinden, werden Sie in ihm eine Ähnlichkeit mit verschiedenen Landschaften sehen können, die mit Bergen, Flüssen, Felsen, Bäumen, Ebenen, mit Tälern und verschiedenen Hügelgruppen geschmückt sind‘ Bei seinen Worten fühle ich mich an meine frühen Arbeiten mit einem belichteten, vergrabenen und nach einem Jahr Erdreich dann erst entwickelten Film erinnert. Dieses Zufallsprodukt ließ mich immer wieder auf das Thema Zufall, sei es beim Filmprozess oder jetzt bei der abstrakten Malerei, zurückkommen.

Ein gewisser Wong Mo verspritzte Tinte, um darauf aufbauend Landschaften zu malen. In diesem ‚erzeugtem Zufall‘ steckt die Basis für Formen und Erscheinungen, aus denen Berge, Felsen, Wolken und Wasser entstehen. Die Verwendung des Zufalls in den künstlerischen Kompositionen des 21. Jahrhunderts hat einen großen Einfluss auch auf Künstler, die Potenzial aleatorischer Prinzipien in Kombination mit den neuen digitalen Technologie entdecken.

Dem digitalen Weg der Aleatorik kann ich nicht viel abgewöhnen. Alles was ich bisher probiert habe lief am Ende immer auf die Wiederholung einmal generierter Strukturen heraus. Den Zufall den ich suche und versuche zu einem Bild zu machen, er muss wahrlich zufällig sein. Das kann nur die ‚analoge‘ Verarbeitung realer Materialien, sei es die Chemie für Chemiegramme, das Klecksen von Farbe oder, oder oder. Um den Zufallseffekt zu steigern, kombiniere ich Zufälle miteinander. bei jedem meiner Eingriffe in das Werk bin ich bemüht, jede menschentypische Symmetrie, Gleichheit und Präzision auszuschließen.

Mir erschließt sich zur Zeit ein extrem spannendes Feld der Bildschöpfung.

Des Photoalchemisten Lichtbildtagebuch – Die ‚Mit Worte-Version‘

Die Gedanken ein (öffentliches) Tagebuch zu führen sind bei mir nicht so neu.

In irgendeiner Mausmalerei-Versionsnummer hatte ich bereits damit angefangen. Noch heute ist die Nummerierung der Lichtbildbeiträge dem damaligen Einschuß geschuldet. Ich weiß nicht, wieso, weshalb oder warum ich das Tagebuch aufgegeben habe.

Hatte ich mir ein Gelübte auferlegt zu schweigen? Dunkel mag ich mich daran erinnern. Nur, es kann nicht funktionieren. Natürlich möchte ich viel lieber schweigen und die Dummheit unkommentiert wie verbal ungestraft an mir vorüberziehen lassen. Auf der anderen Seite fehlen mir die Bildausdrucksmittel, den inneren Kampf der Verzweiflung unendlicher Blödheit irgendwie abzureagieren. Ich bin vielschichtig unvollkommen, das merke ich immer wieder.

Auf der anderen Seite sehe ich die gedankliche Kastration meiner Kreativität, Wort und Bild zu trennen weil es ja andere auch so tun, nicht wirklich ein. Das Bild ist ein Werk und zumindest hier im Blog kommt ein Bild-Untertitel und kurzer Gedanke dazu. Drei Dinge, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen müssen.

Wieso mache ich mir solche Gedanken?

Ich könnte doch einfach tun und gut ist. Nein, das gefällt dem Umfeld nicht. Man nimmt für sich die größtmögliche Individualität in Anspruch, geht es aber um das was ich tue, wird gemutmaßt, wann mein Anfall wieder vorüber ist. Da fallen Begriffe wie ‚Strange‘ – seltsam, fremd, eigen, merkwürdig, komisch aber auch außergewöhnlich. ‚Das ist halt Kunst und davon verstehe ich nichts‘ oder ‚Du bist in ganz anderen Sphären unterwegs‘ wurden von mir auch schon vernommen.

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Der Dritte

Ich befinde mich im Jahr Drei nach einer Diagnose ‚Hodgkin Lymphom‘.

Vor drei Jahren freute ich mich wie hulle: Drei der sechs Zyklen sind fast geschafft, ‚Gandalf der Weiße‘ und die gesamte Praxis macht 14 Tage Sommerurlaub. Ich nehme mir in dem Mehr an Erholungszeit vor wieder zur Kamera zu greifen. Doch es kommt alles anders. Eine Gürtelrose verhagelt mir das Bergfest und parallel kollabieren die Geschmacksnerven. Bis auf ein paar längere Spaziergänge und grottig schlechte Aufnahmen kriege ich nichts gebacken. Die Nervenschmerzen begleiten mich noch heute, ein Mal, das wohl nicht weichen will.

Ich falle in Erinnerungen zurück, suche die Blogs, die über ihre Erfahrungen mit Hodgkin und BEACOPP eskaliert berichtet haben. Sie sind fast alle weg. Ich denke nicht, dass es die Betroffenen nicht geschafft haben. Immerhin waren es junge Menschen, was man von mir nicht behaupten kann. Vielmehr glaube ich, dass es das fehlende Interesse der Hobbyjournalisten/-autoren ist ihre – wichtige – Geschichte eines Hodgkin-Patienten nach der Chemotherapie weiter zu schreiben. Wo vorher die Ungewissheit und Unsicherheit zur Verarbeitung durch Schreiben motiviert hat, bekommt man heute für die ‚Probleme danach‘ nicht dieselbe Aufmerksamkeit. Oder verschiebt die eigenen Prioritäten. Schließlich hat man es doch geschafft, darf weiterleben und hat gefälligst mit dem Jammern aufzuhören. Ich halte dagegen:

Der eigentliche Kampf gegen die Erkrankung mit dem Hodgkin Lymphom hat nach dem Abschluß der Chemotherapie und dem negativen PET/CT begonnen!

So ist jedenfalls meine Erfahrung.

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