Acht mal drei zum Gedenken

Ich musste für die Freiheit kämpfen: Angela Davis! Luis Corvalan!
Eine Geldspende ist genehm. Vor versammelter Klasse.
So war ich auch ein guter Pionier. Die sozialistische Welt in Ordnung.
Ich musste immer mein Essen aufessen.
Weil die Kinder in Chile und Vietnam Hunger leiden. Es nicht so gut haben wie wir.
Also das Damals ‚wir‘. Die geschlagene Kindheit meine ich.
Ich musste mal für Frieden und Abrüstung demonstrieren.
Später ich las, mein friedliebendes Land sich aus Waffenverkäufen finanzierte.

Dann kam das, woran alle immer geglaubt und keiner so recht glauben wollte.
Alles wurde anders und besser. Grenzen grenzenlos und gesagt, was das Beste ist.
Die Dämonen von einst in die Industrie und Tagebaue gesteckt.
Keiner wollte sie dort haben. Die Freiheitsliebenden machten Industrie, Tagebaue dicht.
Sie hatten alles im Überfluss und viel besser als das alte Alte.
Heute ist Freiheit, die Mutti nackt den Pudding kocht.
In Milde einer Enge der politischen Mitte.
Ich muss nur so denken wie ihr, sonst ich Nazi bin.

Es lebe die Gemeinschaft der vorlauten Individualisten,
denen wir für ein Nichts tosend Beachtung applaudieren.
Ich muss keine Neger, Zigeuner, Eskimos sagen.
Mann und Frau wortwörtlich abgeschafft. Zucker durch Mund in Hintern geblasen.
Neuland erobernd bequem vom Sofa aus, gläsern datengeschützt.
Ein Kapital seine Hetzjagd treibt, die Gewählten treiben vergessend mit.
Heile Welt wohin ich schau, nur schnell weiter gezappt und gewischt.
Jedem seine Aufmerksamkeit, einen Feiertag für kleine Demos, das eigene Klo!

Die Macht des DHL Paketboten

Nicht Darth Vader wird in ferner Zukunft der Untergang unserer Welt sein. Die DHL Flotte und ihre allmächtigen gelbroten Boten werden uns den Garaus machen. Das sehe ich mit meinem prophetischen Auge so kommen, ganz sicher! Denn garantiert einmal im Monat hat DHL einfach keine Lust, da wird die Sendung im ‚Ziel-Paketzentrum‘ bearbeitet, in das Zustellfahrzeug geladen und befindet sich in Zustellung, aber es geschieht nichts. Das ist besonders fies, wird ein Zustellungsdatum garantiert und dafür auch bezahlt!

Vielleicht ist eine Packstation die Lösung? Ich muss die Sendung nicht im Haus suchen oder darauf warten, bis einer der 33 Nachbarn sein Heim wieder besiedelt. Gesagt getan, wäre da nicht die Registrierungsprozedur a la die sichere De-Mail. Die deutsche Bürokratie hat in Sachen Neuland Internet noch immer einen Stock im Arsch. Nach einer Woche Wartezeit darf ich dann endlich: Ich lenke meine Paketsendungen in die Packstation um. Das klappt auch ganz gut, selbst das Versenden von Paketen. Man muss sich zwar an den verwirrend-pseudobeamten Sprachgebrauch gewöhnen und stets belehrende Verweise in der Wiederholschleife hinnehmen, aber am Ende zählt das Ziel: Ich halte meine Sendung am Tag der garantierten Zustellung in der Hand.

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Wie seid ihr denn drauf?

Ich bin gerade auf großen Exa-Tripp. Keine Ahnung wieso. Aus Gründen räume ich meinen Waffenschrank auf. Da fallen mir zwangsläufig die innig geliebten Exa 1b’s in meine Hände. Die schöne Exa 1b, eine Kamera für den ambitionierten Amateur (DDR Werbeaussage), sie war mein Einstieg in die Droge das soziale Gleitmittel Fotografie. Das war so zwischen 1980 bis 1984. Dann war fünfzehn Jahre Ruhe um die anspruchsvolle Fotografie. Was blieb war der Gedanke an diese eine Kamera, ihr eigenartig mechanisches Klacken beim Auslösen. Keine andere Kamera unter den fotografischen Charakterschweinen meiner Waffensammlung kommt daran. Voller Herzschmerz!

Zu den 1b’s gesellte sich dann irgendwann mal eine Ihagee Exa. Ein Modell ohne Ziffer, Buchstabe, voller Vintage-Look, mit braunem Karton und Original Bedienungsanleitung. Ich habe sie mir nur zum Anschauen gekauft, denn sie war ein echter Schnapper der nur von mir adoptiert werden wollte, und doch ist sie funktionsfähig. Ich kaufe mir nie eine Kamera, die nicht funktioniert. Die Option Bilder zu machen muss gegeben sein, eben ein Musskriterium. Defekte Kameras darf man mir schenken. Immerhin trage ich die Entsorgung, was ja heute auch nicht mehr so einfach ist. Eine Ausnahme von der Regel ist die gekaufte 9 x 12 Plattenkamera. Aber aus der habe ich ja in einer Zweitverwertung meinen berühmt-berüchtigten DIY Dunkelkammer-Vergrößerer gebastelt.

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Nimm doch irgendeine App statt dich in der Dunkelkammer zu quälen

Wenn ich höre, für was – womöglich noch beim besten Willen – keine Zeit ist und wenn ich sehe, für was die angeblich so knappe Zeit verschwendet wird, dann zweifle ich an der Vernunft. Auch an meiner eigenen. Ich kannte das Standardprozedere in der Dunkelkammer und entschied mich deshalb für die digitale Fotografie. Schließlich gibt es ja hier auch eine digitale Dunkelkammer. Da kann ich doch alles und noch viel mehr machen. Und dann das Smartphone, durch Apps wie Hipstamatic zur iPhoneography erkoren.

Das digitale Zeug mag nicht stinken, ist aber nicht mehr gesund. Klar kann ich mit Fingertipps und Mausklick Grenzen der Bildmanipulation überschreiten. Doch das wache Auge bekommt sehr schnell mit, wie wenig Spielraum und wie varianten-arm all die kühlen Programme und Zusatzmodule sind. Letztendlich erkennt das geübte Auge sehr schnell, welcher Pixelprinz am Nachahmen analoger Effekte beteiligt ist. Und: Keine App oder Abo-Programm kann die Schärfe und Präzision der digitalen Fotografie aufbrechen. Allein die Simulation des analogen Korn stellt ein großes Problem dar.

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Über Götzen, Idole und ohne roten Faden

Wer behauptet, er/sie habe immer so gedacht und gehandelt, der/die lügt. Oder hat sich der menschlichen Fähigkeit seiner persönlichen Weiterentwicklung beraubt. Bei allen Theoriegedanken, die man sich erlesen und erfragen kann, der größte Wissenszuwachs ergibt sich aus dem bewußt Erlebten. Diese Erfahrung und Praxis ist es, die den Menschen weiterbringt. Er muss es nur wollen.

Wer mir etwas schreibt, der sollte davon ausgehen, dass ich nicht seinen Blick und sein Leben vor Augen habe. Es bedarf also der Zeit und Worte mir zu schreiben, was seine Gedanken sind. Erst dann kann ich hinreichend verstehen worum ich gebeten werde.

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