Ein Schlüsselerlebnis

Ich komme irgendwie auf Christina Z. Anderson. Na gut, ganz so zufällig ist meine Suche nicht. Ich suche einen ersten Handlungsfaden für eine mir unbekannte Dunkelkammertechnologie und lande bei Anderson’s Chemigrammen. Sie erinnern mich an meine Aleatogramme. Hier und da fallen mir ihre Farben auf, weil ich sie aus meinen Versuchen in der Dunkelkammer kenne.

Das, wonach ich suche, finde ich nicht auf deutsch. Alles ist in ausländisch gehalten. Warum nur begeistert sich niemand in meiner Muttersprache für ‚Chromo‘? Je weiter ich mich durchs Englisch wühle, umso mehr wird mir klar, weshalb sich der Deutsche nicht in das Becken dieser Techhnik wagt:

Schaue ich mir Fotografien guter deutscher Fotografen an, dann durchzieht die meisten Arbeiten ein unangenehm kühler und vor allem distanzierter Schauer. Selbst in der schmutzigsten Barfuss-Szene muss das Sujet steril und strukturiert sein. Ich frage mich, ob ein ganzes Land bei Bernd und Hilla Becher abgeschaut hat? Wo ist die Zuneigung und Liebe in euch, selbst einen stinkenden Scheißhaufen auf der Straße so zu inszenieren, dass er im Bild gefällig zu betrachten daher kommt? Liebe. Euch fehlt es an Liebe und damit meine ich nicht Sex und Besitz. Wo steckt in euch das Kind im Manne oder der Frau? Ihr verzieht lieber eure Brut statt Wissen und Erfahrung zu vermitteln, züchtet lieber großmäulige Besserwisser und Klugscheißer heran. Kein Wunder, dass für ein sauberes und bequemes Weltbild alles schön gerade, scharf und ohne nachdenken sichtbar sein muss. Ich meine zu wissen, wo euer Problem liegt: Ihr wollt erstens schnell ans Ziel kommen und zweitens nichts dem Zufall überlassen.

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Vernunftbild

Ich bin zur Einsicht gelangt, dass im Zufall mehr Vernunft (und Demut) steckt als im angeblich bewußten Handeln des Menschen überhaupt.

War es um 2014 oder 2015? Ich ziehe mit einer Kamera durch den Bürgerpark Pankow, fotografiere die Menschen im Stil meiner ‚Menschen in der Großstadt‚ und vergrabe diesen Film. In Gartenerde, Wind und Wetter, also Klima ausgesetzt. War es für ein Jahr? Ich könnte im Lichtbildprophet suchen, habe aber keinen Bock darauf. Der Zeitraum täte auch nichts zur Sache. Fakt ist: Ich grabe den vergrabenen Film aus, entwickle ihn und von dem, was ich einst aufgenommen habe ist absolut Nichts zu sehen. Kein Bild da, wie der Mensch ein Bild erwartet. Ich ärgere mich darüber, waren doch ein paar schöne Szenen dabei.

Egal.

Was ich diesem ca. 1,5 Meter Film entnehme sind Zufälle, Zufallsbilder. Ich taufe das Ergebnis ‚Aleatorisches Fotogramm‘, neudeutsch und knackiger ‚Aleatogram‚. Ich bin nicht der Erste, der diesen Begriff benutzt. Durch meine Wortwahl stoße ich auf das wunderbare Werkstattbuch ‚Neue und alte Radiertechniken sowie photochemische Reproduktionsverfahren‚. Laut Google ist die Palette an ‚aleatorischen‘ Bildern groß, von wahrlich zufällig bis digitalgeprägte Effekthascherei realistischer Abbildungen.

Eigentlich möchte ich immer wieder die Idee neu aufgreifen: Fotografieren, den Film dem Zufall Natur aussetzen und daraus Bilder schaffen. Andere waschen einen Film mit oder brennen ihn an. Mir ist das zu zielgerichtet, zu kontrolliert. Doch die Chemotherapie und vor allem die Aufgabe der Villa Schaf nimmt mir den Kreativraum ‚Erdreich‘.

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Warnung: Nur mit geschlossenen Augen lesen und ansehen!

Lieber Nutzer!

Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll.
Aber, es muss raus: Schande über mich!

Die oberste Instanz der Moralapostel hat von mir eine Arbeit mit dem Bann belegt.
Dieser ekelhafte Schund und Schmutz zügellosester Erotik darf nicht in der sauberen Gemeinschaft der Poser und Blender gezeigt werden. Bisher hat sich das ’neue‘, das moralisch saubere tumblr als der Sittenwächter des Internets entpuppt und überall dort Brustwarzen und Schamlippen gesehen, die ich nicht sah.

Nun haben die Vasallen Mark Zuckerberg’s zugeschlagen und einen Post wegen des Verstoßes der Gemeinschaftsrichtlinien entfernt. Die Entscheidung hat natürlich kein Mensch getroffen.
Es war eine Maschine, ein Programm.
Und gegen diese Entscheidung kann ich nicht vorgehen.
Ich bin der fehlenden Fantasie, einem schnöden Algorithmus eines Automaten ausgeliefert.

Nun könnte ich wie ein Rohrspatz auf die schwulen Ex-Auswanderer schimpfen, die arme Indianer abgemurkst haben und überhaupt nur Unfrieden über unsere Erde bringen. Das wird nichts ändern, weil es den schießwütigen Ami’s einfach an Gehirnwindungen fehlt. Eine halbe Windung weniger und sie würden mit den Hühner auf dem Bio-Hof die Körner picken. Vielleicht hat man auf Grundlage der letzten Amokläufe in den USA den weiblichen Bauchnabel als potentielle Gefährdungsquelle ausgemacht? Das würde das hammerharte Vorgehen der Zuckerberg-Moralkriegerprogrammierer natürlich erklären und dennoch kein Verständnis bei mir hervorrufen. Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.

Ich denke weiter: Heute entscheiden Maschinen, was das positive Nutzererlebnis einer moralisch instabilen Nation (und damit der gesamten Interneterde) trübt und was nicht. Es wird kein Jahrzehnt dauern, da tragen wir statt dem Perso in der Tasche einen Chip unter der Haut und Maschinen entscheiden, ob es für das Nutzererlebnis des gehirnweichen Homo digitalis einen Sinn macht, dass der behinderte, kranke oder emotional schwächelnde Mensch überhaupt weiterleben darf. Vielleicht ist es besser ihn zu einer bunten Mischung Soylent zu verarbeiten. Das hat für den lebenswerten und moralisch korrekten Smombie einen echten Nutzen.

‚… Jahr 2022 … die überleben wollen‘ lässt grüßen!

Ach so … hier ist das subversive und von Instagram bemäkelte NegaPos-Machwerk:

Negapos - Epilog

Des Photoalchemisten Lichtbildtagebuch – Die ‚Mit Worte-Version‘

Die Gedanken ein (öffentliches) Tagebuch zu führen sind bei mir nicht so neu.

In irgendeiner Mausmalerei-Versionsnummer hatte ich bereits damit angefangen. Noch heute ist die Nummerierung der Lichtbildbeiträge dem damaligen Einschuß geschuldet. Ich weiß nicht, wieso, weshalb oder warum ich das Tagebuch aufgegeben habe.

Hatte ich mir ein Gelübte auferlegt zu schweigen? Dunkel mag ich mich daran erinnern. Nur, es kann nicht funktionieren. Natürlich möchte ich viel lieber schweigen und die Dummheit unkommentiert wie verbal ungestraft an mir vorüberziehen lassen. Auf der anderen Seite fehlen mir die Bildausdrucksmittel, den inneren Kampf der Verzweiflung unendlicher Blödheit irgendwie abzureagieren. Ich bin vielschichtig unvollkommen, das merke ich immer wieder.

Auf der anderen Seite sehe ich die gedankliche Kastration meiner Kreativität, Wort und Bild zu trennen weil es ja andere auch so tun, nicht wirklich ein. Das Bild ist ein Werk und zumindest hier im Blog kommt ein Bild-Untertitel und kurzer Gedanke dazu. Drei Dinge, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen müssen.

Wieso mache ich mir solche Gedanken?

Ich könnte doch einfach tun und gut ist. Nein, das gefällt dem Umfeld nicht. Man nimmt für sich die größtmögliche Individualität in Anspruch, geht es aber um das was ich tue, wird gemutmaßt, wann mein Anfall wieder vorüber ist. Da fallen Begriffe wie ‚Strange‘ – seltsam, fremd, eigen, merkwürdig, komisch aber auch außergewöhnlich. ‚Das ist halt Kunst und davon verstehe ich nichts‘ oder ‚Du bist in ganz anderen Sphären unterwegs‘ wurden von mir auch schon vernommen.

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Menschen in der Großstadt – Ein neuer Anlauf

Ich befrage das Datenorakel: Wie sehen andere ‚Fotografen‘ Menschen in einer Großstadt. Google spuckt in der Bildersuche Standardsoße mit Photoshoparoma aus, die Dynamik emulieren soll.

Menschen in der Großstadt werden von einer unsichtbaren Kraftmacht getrieben. Alles ist in Bewegung. Fast alles ist in Bewegung. Nur die Touristen schleichen sich, stehen dem getriebenen Großstadthektiker immer im Weg. Für meine Serie ‚Menschen in der Großstadt‚ sehe ich mich auch als Fotograf in Bewegung. Was ich mit der Kamera einfange, ist unscharf. Muss unscharf sein. Bestmöglich ist alles nur schemenhaft zu erkennen. Reizstoff für die eigene Fantasie. Ja, so wollte ich diese Serie anlegen. Die Kamera ist eine Nikon F70 mit aufgeschnalltem B.I.G. Holga HL-Objektiv.

Der Fotoserie gebe ich im Sommer den Vorzug. Menschen, weibliche Menschen und ihre Ausstrahlung. Ich bin halt Mann.

Nur einmal ziehe ich am Neujahrsmorgen los und lichte aus der Hüfte die Überbleibsel einer Nacht ab. Die Kamera soll nicht zielorientiert das Motiv erfassen. Ja, die Goldenen Regeln der Lomografie stehen Pate, auch wenn ich versuche die Belichtungszeit und meine Bewegung so zu synchronisieren, dass nichts Scharfes im Negativ zu sehen ist. Beim Ausbelichten auf Papier vergrößere ich auf kleine (weite) Details, die das fertige Lichtbild schön körnig werden lässt. Selbst ein paar Farbaufnahmen entstehen. Ich müsste aber erst nachsehen, bevor ich mehr zu diesem Exkurs etwas sage.

Zwangspause

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