Der Pegel stinkt

Auf ein weiteres Wort zum Sonntag, jeden Samstag neu und Achtung: Im Folgenden handelt es sich um Sarkasmus und Realsatire:

Medien an.

Sinkt!
Aktualisieren Sie heute auf den 250-GB-Speicherplan.
Warnung! Ihr Cloud-Speicher ist voll.
Sofort für die Garantieerweiterung Plus registrieren.
Das ich dafür zahlen soll, so zackig ist Synology nicht drauf.
Futterneid ist nicht Diskriminierung oder Ausgrenzung.
Die Zuckerhasen lassen die Glocken läuten?
Fischdruck.
Schwitzstube.
Bärenwein.
Beeren.
Meta sperrt Instagram-Accounts sexpositiver Clubs.
Mobbing. Schikane. Diskriminierung.
Knallharte amerikanische Zensur?
Stets bemühte Willkür.
Das ist einfach Genital.
Be Kini.
Applefans schnappen sich heute den Pencil Pro?
Nö!

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Serie Boltenhagen

Lila, der letzte Versuch. Es ist ein Familienausflug, ein 1 Tagesritt nach Boltenhagen. Auf einer Nikon D60 ist das Holga HL-Spaßobjektiv aufgesetzt. Rund um die eigentliche Blende im Objektiv, sind weitere kleinere Öffnungen verteilt. Sie streuen diffuses Licht in den Hauptstrahlengang und sollen für eine Wiedergabe ähnlich der analogen Holga-Kamera sorgen. Ja, die Bilder sind unscharf, nur nicht so wie ich es mir vorstelle. Froschperspektive, etwas längere Belichtungszeiten und beim Auslösen die Kamera bewegt, sind nicht hilfreich. Ich halte ein paar Aufnahmen für gut und sie werden auch in einer Ausstellung gezeigt, doch es ist nicht das, was ich zeigen möchte.

Auch wenn ich in den nächsten Monaten die D60 und meine Nikon D200 weiter benutze, ich befinde mich in einer fotografischen Sackgasse. Ich möchte nicht Photoshop und Analogfilm-Emulationen Unschärfe & Co. überlassen. Das Original soll nahezu fertig unscharf sein und ich brauche nur noch entscheiden, ob ich im Bunt bleibe oder ins Schwarzweiß wechsle. Die Serie Boltenhagen ist mein Abgesang an die digitale Fotowelt. Nach und nach ersetze ich digital durch analog. In den nächsten fünfzehn Jahren versuche ich mich in beinahe jeden analogen Kameratypus. Erst mit der Original-Lomo (Kleinbildformat) und der neueren Pentax 17 (Halbformat) lande ich einen Treffer. Beide belichten automatisch und doch gelingt es mir mittels langsamer Filme und der eigenen Kamerabewegung die Spielwiese Unschärfen für mich zu erschließen.

Vier digitale Arbeiten, die Serie Boltenhagen aus 2011, Meilenstein und Wendepunkt für mich. Denn die Serie liegt auch zwischen zwei privaten Gewitterfronten, was die eigentlich nüchterne Serie für mich persönlich auch noch emotional macht.

Mein Leben mit Mitsu – Marcel Magis

Wenn ich über das Internet etwas Lobenswertes sagen müßte, dann wäre die reale als auch virtuelle Begegnung mit Marcel Magis eine der wenigen positiven Nutzererfahrungen. Wie es das Leben will, hat die Geschichte kein Happyend: Etwa anderthalb Jahre nach dem Ende meines Kampfes gegen den Krebs muss ich in einem Onlinebeitrag lesen, dass Marcel ein paar Monate vorher verstorben ist. In einem kleinen Beitrag nehme ich Abschied von einem für mich besonderen Menschen. Er war nicht laut, beinahe schüchtern und doch präsent.



„Mein Leben mit Mitsu“ ist kein spektakuläres Enthüllungsbuch heutiger Zeitrechnung mit viel Drama, Trauma und Rache aus gekränkter Eitelkeit. Marcel Magis hatte ein Gespür und wohl auch die Erfahrung für die feinen Details des Lebens: In Berlin saßen wir zusammen im Charlottchen, unweit des Atelier Flackerlight, und philosophierten im Koffeinrausch über das Leben, die Liebe, Enttäuschung, Wahrheit und Lüge. Ich erzählt ihm damals von meinem persönlichen Drama. Er hörte zu und meinte, nachdem ich mich final ausgeheult habe, dass die Liaison meiner Ex-Frau mit ihrem Lover schon länger als nur die eingeräumte kurze Zeit geht. Treffer versunken. Wie ich später erfuhr, hatte er Recht.

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Virtuell gedingsbumst

Auf ein weiteres Wort zum Sonntag, jeden Samstag neu und Achtung: Im Folgenden handelt es sich um Sarkasmus und Realsatire:

Medien an.

Benachrichtigung über 2.000.000 € Finanzprämienauswahl: „Die Skoll Foundation freut sich, im Rahmen ihres langjährigen Engagements für die Unterstützung von Menschen und Familien in wirtschaftlich schwierigen Lagen eine neue Initiative zur Förderung der Gemeinschaft zu starten. Unsere Mission war und ist es, Gemeinschaften zu stärken und unsere soziale Wirkung durch sinnvolle, menschenorientierte Hilfe zu erweitern. Im Rahmen dieser Initiative wurde Ihre E-Mail-Adresse zufällig ausgewählt, um finanzielle Unterstützung zur Linderung unmittelbarer Bedürfnisse zu erhalten. Diese Unterstützung erfolgt im Rahmen unseres Programms zur Unterstützung der Gemeinschaft und unterliegt einer Überprüfung der grundlegenden Anspruchsberechtigung. Weitere Informationen zu unseren laufenden Hilfsprojekten und unserer Arbeit finden Sie auf unserer offiziellen Website. Um Ihre Anspruchsberechtigung zu prüfen und den Unterstützungsprozess zu starten, kontaktieren Sie uns bitte direkt unter. Gemeinsam können wir weiterhin stärkere und widerstandsfähigere Gemeinschaften aufbauen. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Team der Skoll Foundation.“

Ich fühle mich virtuell monetär-emotional betrogen.
Aktivistenallergie.
Liebling, ich möchte wirklich reden.
Mein Junge, ich vermisse deine Worte.
Der Schwanz ist das Thermometer des Schweins?
Jugend debattiert?
Erst lernen, um mitreden zu können.
Internet ist kein Wissen.

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Auschwitz heute – Martin Blume

Martin Blume und sein Bildband „Auschwitz heute“ entdecke ich durch den Nachruf aus Anlass seines Todes im Jahre 2015. Die Bilder, die anlässlich der dem Buch vorgelagerten Ausstellung im Internet zu sehen sind, begeistern mich: Martin Blume setzt gezielt Unschärfe als Gestaltungsmittel und Belichtungszeit als Helligkeitsregler ein. Es geschieht zu einer Zeit, wo ich selbst neue Wege suche und Blume mir mit seinen Arbeiten eine Orientierung gibt.

Da sind die sich kreuzenden Gleise, wellenartig nimmt Zeit und Rotation ihren Platz im Bild ein (siehe Seite 67). Ein Klassiker der perspektivischen Darstellung: Dunkle Pfosten stehen wie Posten im Schnee, geben eine Orientierung bis an ein nicht zu erkennendes Ende (siehe Seite 75). Besonders bedrückend empfinde die Szene auf Seite 83: Ein dunkler Raum, eine massive Tür mit Guckloch, leicht geöffnet bildet die Mitte. Ein Deckenlicht leuchtet. Für über eine Million Menschen wird weder das eine noch das andere Licht ein Schimmer der Hoffnung sein, die gemeinhin zuletzt stirbt. Das Licht mag vielleicht daran erinnern und es ist doch kein Ewiges Licht. Hier in Auschwitz ging es in allen Belangen um Vernichtung: Juden, Sinti und Roma, Polen, Homosexuelle und sowjetische Kriegsgefangene.

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