(M)eine Amazon Story

Neulich las ich eine dieser Geschichten von Amazon über Amazon. Es ging um Besucher, die sich ein Versandzentrum angesehen haben. Ich habe auch eine eigene Story, die ich gerade mit dem Giganten durchmache. Dabei geht es um ein relativ simples Produkt, vom Abzählen und der Frage, ob ich demnächst überhaupt noch kaufwürdig für Amazon bin.

Mit dem Ende der Chemotherapie kam gefühlt auch das Ende meiner Nasenschleimhäute. Erst glaubte ich nur an häufige Kopfschmerzen, doch die trockene Nase lies es mich mit Meerwasser-Nasenspray probieren. Und das eine, mit Dexpanthenol und Kamillenöl, erwies sich für mich als echt gut. Die Kopfschmerzen wurden weniger und selbst der Heuschnupfen trat – gefühlt – nicht mehr so stark in Erscheinung. Bequem wie ich bin, bestelle ich das Nasenspray bei Amazon. In einem fünfer Set ist es ein Schnäppchen.

Alles klappt zu meiner vollen Zufriedenheit, bis zum April diesen Jahres.

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Hadern

Was denkt wohl Leser, liest er die Überschrift ‚Hadern‘?

Zitatsammlung:
Hadert er mit seinem Schicksal?
Ist er eigentlich nicht ständig am nörgeln?
Der hat doch Krebs?
Jetzt findet er das Leben total Scheiße wo es zu Ende geht.
Jeder der Krebs hat stirbt.
Früher oder später.
Also was soll das Rumgezicke?
Außerdem muss es ‚Was denkt wohl der Leser …‘ heißen.

Für die von mir zitierte Denke gibt es eine glatte Sechs, setzen!

Insofern der Bildungs-Homo digitalis das Wort ‚Hadern‘ kennt, denkt er bei dem Wort an einen Vollhonk der klagt, der unzufrieden ist.

Doch es ist – der Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache sei Dank – wie mit dem Suggestivjournalismus der Qualitätmedien, der in Überschrift und Teaser die niederen Instinkte des medialen Opfers anspricht, Klicks im Web oder das Verweilen am Bildschirm erhofft und in der Auflösung verrät, dass alles gar nicht so schlimm ist oder ganz anders als zunächst instinktgetrieben gedacht.

Liebe Primitivmedien: Das ist Lebenszeitverschwendung. Das ist plump und niveaulos wie das einstige goebbelssche Gebrüll.

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Pyramidion

Schlusstein!
Der Stein ganz oben, der letzte Stein.
Offensichtlich ist ein oder das Ende erreicht?

Entgegen der ‚Tradition‘ sind einige meiner BetrachtSteine vorderseitig signiert und ich lese auf ‚Erde, Himmel, Licht‚ das Jahr 2014. Seiner Realisierung gingen Monate des Grübelns voraus. Noch heute kann ich mich gut daran erinnern, wie ich im Hochsommer in der Villa Schaf saß, die Sofortbilder zerlegte und auf diese Kacheln zog, die eigentlich als ‚Müll‘ in der Entsorgung landen sollten. Doch ihre matte Oberfläche schienen mir wie für den Emulsionslift gemacht. Für den Primer griff ich kurzerhand auf Holzleim zurück. Fertig war die Laube! Durch die Villa Schaf und ihre Massen an ausgemusterten Holz traf ich auf Claire von Frameworks. Sie faßte die drei BetrachtSteine. Noch heute bin ich von dieser Arbeit angetan, die seit 2016 einen neuen Besitzer hat.

Kürzlich wühlte ich in meiner Asservatenkammer und mir fiel die letzte, noch nicht benutzte Kachel in die Hände. Die Villa Schaf ist seit ein paar Jahren auch Geschichte, nach der großen Auf- und Ausräumaktion wurde sie abgegeben. Hin und wieder mag ich das Gärtnern, aber eine Laube sanieren und das Land nach den gestrengen Regeln des Kleingartengesetzes bewirtschaften ist nicht mein Ding. Seit dem Vertreiben des Hodgkin Lymphom fehlt mir ohnehin die Kraft und Ausdauer, den Blümchen und Karotten beim Wachsen zuzusehen. Es ist also mit keinem Nachschub an derangierten keramischen Trägern mit mattierter Oberfläche zu rechnen.

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Auf ein Guss

Ich habe nachgeschaut: Es sind mittlerweile fünf Jahre vergangen, dass ich mich mit ‚flüssiger Fotoemulsion‘ auseinandersetzen durfte. Die Fotoemulsion Rollei RBM 3 sollte auf Glas gebracht werden, um anschließend selbstgemachte Glasnegativ als Zwischenmaske zu verwenden. Und so fing ich für mich an viele alte Bücher aus den Anfängen der Fotografie zu lesen. Glas war für Jahrzehnte das Trägermaterial und die damals üblichen Jahrbücher (diese Art der Wissensanhäufung fehlt der gebildeten ‚maker-Szene‘ absolut) sind voll von Handlungsbeschreibungen. Doch der moderne Mikrotechnologe schleudert lieber, statt auf einen rückwärts gewandten Lichtbild-Dilettanten zu hören. Da man heute nicht schreien und brüllen, die Leute nicht lautstark beleidigen oder gar zur Gewalt neigen darf, wurde wegen chronischer Schleuderitis und den damit ausbleibenden Erfolg das Projekt ergebnislos eingestellt. Doch bevor das wertvolle Gut etc. vernichtet wird, lagere ich die Zutaten in meinem Kühlschrank ein. Ein kleiner Dornröschenschlaf setzt ein.

Nicht ganz! Immer wieder erinnere ich mich an die ‚flüssige Fotoemulsion‘ und denke über den Ablauf in der Dunkelkammer nach. Rollei (macodirekt) gibt mit einem PDF zu seinem ‚Black Magic-Baukasten‘ einen guten Handlungsstrang, der sich aber teilweise mit den alten Literaturquellen beißt. Und: Alles ist darauf ausgerichtet, dass kommerziell käufliche Fotopapier auf anderen Trägern nachzuäffen. Ich verspreche mir von der ‚flüssigen Fotoemulsion‘ ein Gestaltungsmittel abseits der typischen Bildwiedergabe. Der surreale Aspekt, die Perfektion der Unbeständigkeit ist doch mein Ziel. Ginge es mir um Struktur, Streifen oder Wischeffekte, ich griff auf normales Fotopapier zurück und entwickle mit Pinsel, Bürste oder Rolle. Der Mainstream liefert online größtenteils das ‚Normal‘ ab, was mich wiederum von der Umsetzung abschreckt. Ich möchte über das Hantieren und Gießen der ‚Flüssigen Fotoemulsion‘ surreale Gedankenbilder mit einem visuellen Freiraum ohne das ‚fotorealistische‘ Vorsagen (m)einer Absicht schaffen. Keine Einheitssoße und Darstellungen, die auf anderem Weg bequem realisierbar sind. Das ist eine Ode an die Technologie des Gießens einer ‚Flüssigen Fotoemulsion‘, die ich nicht anstimmen möchte.

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Wohin ich auch blicke, ich sehe nur Gewinner!

Ich stöbere durch Taschen’s Neuerscheinungen: Laurent Benaïm. Dian Hanson Worte über ihn lesen sich interessant. Phasenweise fühle ich mich an meine Langweile erinnert, werde ich mit dem modernen hdr-infizierten Fotorealismus konfrontiert. Ich kann damit nichts anfangen. Diese Klarheit auf der einen, die Scheineffekte auf der anderen Seite sind wie Schmirgelpapier an meine visuellen Rezeptoren. Vielleicht hat der weiße black out, die gelegentlich auftretende Helligkeitsstörung während der Chemo, zum Sichtwechsel beigetragen. Ich bestürme jedenfalls Amazon und ordere Hanson’s Buch ‚Laurent Benaïm‘ vor.

Muse-Stunde: ‚Schau doch mal, ob dieser Benaïm eine Webseite hat‘ spreche ich zu mir. Ausnahmsweise. Gesagt, getan. Im Interesse des Taschen Verlag’s hätte ich es nicht tun sollen. Denn nachdem ich die 32 Galerie-Seiten durchblätterte, wollte ich das Buch nicht mehr. Es war mir zu viel Fotorealismus, zuviel der Effekthascherei. Ich bekomme in seiner Bildsprache vorgekaut, was ich zu sehen habe. Meine Fantasie ist während der Reise durch Benaïm’s erotische Welt eingeschlafen. Ich fühle mich bedrängt, als müsste ich mich mit jedem seiner Modelle öffentlich verpaaren. Wenigstens ist meine Fantasie nicht ins Koma gefallen oder gar verstorben. Was für ein Glück.

Oh, das klingt im Ohr des Gutmenschen wie dissen. Schließlich ist ein emotionales ‚… kotzt mich an‘ in Gutmensch’s Pussywelt böses beleidigen. Oder ich bin nur neidisch auf den Erfolg Laurent Benaïm’s. Er darf einen Bildband bei Taschen veröffentlichen, hat ein großes schmuckes Atelier und kann die Leute beim Rammeln fotografieren.

Sorry, so ist es leider nicht.

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